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Nur ein Augenblick

Anlass für diesen Eintrag ist das Gedicht "Löwenherz" von Julia Engelmann. Bei dem Satz "Und ich träum' von einem Land für dich, in dem du jetzt ein König wärst" musste ich unwillkürlich an dich denken. Mir gefällt die Wärme in dem Gedicht und einige Formulierungen sind sooo treffend. Aber die Wehmut teile ich nicht. Wenn ich an dich denke, dann denke ich nicht daran, was ich alles dafür geben würde, um dich zurückzuholen.

Wenn ich in den Erinnerungen an dich schwelge, empfinde ich eine tiefe Dankbarkeit, dass ich das alles mit dir erleben durfte, dass ich so einen guten Freund haben durfte und du so lange ein Teil meines Weges sein durftest.

Immer werden wir so bleiben
jung und frei und schön
wir beiden
stehen auf der guten Seite
Jahr für Jahr

Und ja, ich vermisse dich. Natürlich. Immer wieder. Aber du fehlst nicht wirklich, weil du mir immer noch so präsent bist. Ich kann deine Gegenwart immer noch fühlen, kann immer noch über deine Kommentare lachen, wenn ich unsere alten Nachrichtenverläufe noch mal durchlese, habe entgegen aller Befürchtungen immer noch genau den Klang deiner Stimme im Kopf, sehe dich immer noch genau vor meinem inneren Auge und habe immer ein Lächeln im Gesicht, wenn ich an dich denke. Du hast mir so viel von dir gegeben, dass es sogar für die Zeit ohne dich reicht. Genau, wie du es damals einmal prophezeit hast.

Obwohl ich so oft deinen Rat bräuchte. So gern wieder stundenlang mit dir über die ganze Welt lästern oder in deiner Wohnung sitzen und die alten Folgen von Two and a half man schauen würde. So gern mit dir Spritztouren unternehmen und lecker essen würde. Von deiner Lebenserfahrung profitieren könnte und Anteil daran nehmen, wie dein Leben weitergegangen wäre. Wie du deine Träume verwirklicht hättest.

Ich hatte so oft Angst um dich. Ich hatte auch Angst, dass du irgendwann nicht mehr da sein würdest. Viele Zeiten meines Lebens kann ich mir ohne dich gar nicht vorstellen und hätte sie vielleicht auch nicht überstanden. Es ist so viel wert, gute Freunde zu haben!

Und ich verstehe jetzt auch endlich den Text des Liedes "Der Vorhang fällt" von Unheilig, der mich immer an dich denken ließ und den ich dir mal geschickt habe. Damals habe ich den Titel darauf bezogen, dass es sich um das letzte Lied des Albums handelte. Heute weiß ich, dass der Graf damals selbst einen sehr guten Freund verloren hatte, für den auch das Lied "an deiner Seite" geschrieben wurde, und dass "dieser eine Augenblick" und "dieses kleine Stück vom Glück" für die gemeinsame Zeit stehen, die man auf Erden erlebt hat. Seit du nicht mehr da bist, ist mir klar, wieso man viele gemeinsame Jahre als einen "Augenblick" beschreiben kann.

Doch so sehr ich mir auch wünsche, dich wieder in den Arm nehmen und wieder mit dir sprechen zu können, habe ich im Gegensatz zu Julia Engelmann nicht das Gefühl, dass du jeden Moment wiederkommen müsstest. Ich kann nicht erklären, warum, aber mir war sofort klar, dass du unwiderruflich gegangen bist, noch bevor ich es überhaupt mit Sicherheit wusste. Du warst einfach plötzlich nicht mehr da. Es war einfach so eindeutig. Und es ist schwer zu erklären, aber ich bin mir so sicher, dass du gar nicht zurückkommen wollen würdest - selbst, wenn ich tatsächlich die Möglichkeit hätte, das Schicksal zu ändern und dich zurückzuholen, du würdest nicht wiederkommen wollen. Du würdest die Geschichte nicht umschreiben wollen. Ich glaube nicht, dass du tot sein wolltest, nicht zu diesem Zeitpunkt. Du hättest noch viele gute Jahre haben können und du hattest dich darauf gefreut. Aber aus irgendeinem Grund war deine Zeit gekommen und ich bin mir sicher, das hättest du akzeptiert.

Obwohl ich es natürlich schreiend unfair finde, dass es dich erwischt hat und das auch noch viel zu früh. In den Tagen, nachdem ich die Nachricht erhalten hatte, habe ich hemmungslos geweint, weil ich es einfach nicht richtig fand. Das war wichtig und musste raus. Ich glaube fest daran, dass du es auch nicht richtig fandst. Aber weder du noch ich können etwas daran ändern.

Du hast mir immer gesagt: "Vergiss bei aller Trauer um die Toten bitte nicht die Lebenden." Daher weiß ich ganz sicher, dass du mir nicht böse bist, dass ich es bis heute kein einziges Mal an dein Grab geschafft habe. Nachdem ich es einmal vergeblich versucht hatte, habe ich dem einfach keine besondere Priorität eingeräumt, weil ich deine Einstellung dazu genau kenne. Natürlich steht ein Besuch auf dem Friedhof nach wie vor auf meiner Agenda. Aber ich habe eben keine Eile dabei.

Mir bleibt nichts anderes übrig, als dich in guter Erinnerung zu behalten und diese Erinnerung für immer festzuhalten. Und ich kann dir versprechen, dass ich genau das tun werde.

Ich schau zurück
auf eine wunderschöne Zeit
warst die Zuflucht
und die Wiege meines Seins
hast gekämpft und jeden Moment mit mir geteilt
Ich bin stolz
auch jetzt an deiner Seite zu sein

Ich fang ein Bild
von dir
und dieser eine Augenblick
bleibt mein gedanklicher Besitz
den kriegt der Himmel
nicht zurück

28.4.18 19:14

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