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Das Gefühl danach

Das ist wieder eine dieser Phasen, in denen ich mich schwer damit tue, angemessene Formulierungen für meinen emotionalen Zustand zu finden. Unter anderem deshalb, weil es nicht leicht ist, ihn abzugrenzen und zu verstehen.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.

Ich sitze an meinem Schreibtisch und höre Lieder, die mich an frühere Zeiten erinnern. An verflossene Lieben. Und ich fühle: Nichts. Nein, das ist nicht ganz richtig. Ich fühle nichts Starkes. Keinen Schmerz mehr, kein Leid. Nur stetig verblassende Erinnerungen und sicher verheilte Narben. Und ich könnte heulen.

Warum?

Weil mir klar wird, dass ich nicht gelogen habe, als ich sagte: Ich bin drüber weg. Selbst bei der letzten unglücklichen, noch nicht lang zurückliegenden Geschichte. Der Schmerz ist vorbei und der Mensch mir egal.

Ich weiß, dass ich mir diesen Moment lange und sehnsüchtig herbeigewünscht habe. Dass ich Liebeskummer als die fieseste aller Krankheiten bezeichnet habe, dass ich unbedingt einen Ausschalter für Gefühle haben wollte, um die Stimmungsverdunkler einfach wegzuknipsen. Ich konnte es nicht erwarten, endlich wieder frei zu sein und die Abhängigkeit, die ich gefühlt habe, loszuwerden.

Aber ich erinnere mich auch noch gut daran, wie alles begann. Wie glücklich ich war, als mich die Liebe wieder einmal überwältigt hat. Wie ein Orgasmus fühlt sich dieser Vorgang jedes Mal ein bisschen anders an als beim letzten Mal und doch immer ähnlich. Die ersten Wochen, nachdem man sich neu verliebt hat, sind auch beim 10. Mal noch etwas Besonderes und Einzigartiges.

Ich vermisse dieses Gefühl. Das ist der Grund, warum ich weinen könnte. Es hat nichts mit den Personen an sich zutun, sondern mit dem, was ich einmal für sie gefühlt habe, wie es war, damals, in jenen ersten Wochen. Das alleine ist schon schwer zu erklären.

Obwohl ich froh bin, jeden Liebeskummer meines Lebens überstanden zu haben, wünscht sich ein Teil von mir, dass die eine oder andere Liebe es überlebt hätte.

In den letzten Tagen habe ich insbesondere oft an eine bestimmte Person gedacht - er ist nicht der gewesen, den ich als die Liebe meines Lebens bezeichnen würde, und auch nicht der Letzte, den ich geliebt habe, aber der, für den ich am intensivsten empfunden habe. Ein derartiges Feuer mit allen Höhen und Tiefen hat sowohl vor ihm als auch nach ihm niemand mehr in mir entfacht und das macht ihn bis jetzt einzigartig. Zudem war er der erste Mann, den ich nach meiner großen Liebe derart stark und derart anders geliebt habe, dass ich weder verglichen noch zurückgeblickt habe und einfach das Gefühl hatte, dass eine neue Ära begonnen hat.

Auf der anderen Seite habe ich wegen ihm auch viel intensiver gelitten als wegen irgendeinem anderen. Diese Liebe hat mich so unglaublich viel Kraft gekostet, dass ich gerade genug Energie hatte, um zu überleben, und anschließend vor den Trümmern meines Lebens stand. Ich glaube nicht, dass er weiß, um was er mich tatsächlich gebracht hat und welche unvorhergesehene Wendung mein Leben seinetwegen genommen hat, aber ich mache ihm heute auch keine Vorwürfe mehr deswegen. Mittlerweile sehe ich die Fehler bei uns beiden und ärgere mich über mich selber, dass ich jedes Mal abgeblockt habe, wenn er versucht hat auf mich zuzugehen. Andersrum war es natürlich genauso. Wir haben uns alle beide einfach unglaublich blöd angestellt und so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte. Im Nachhinein denke ich, dass es für jeden von uns so viele Chancen gegeben hat, die wir ungenutzt verstreichen lassen haben.

Ich habe dir damals nicht vertraut und war fest davon überzeugt, dafür meine Gründe zu haben. Du hast selbst gesagt, dass du mit Menschen spielst, und warst sogar noch stolz darauf, und ich wollte um nichts in der Welt eins deiner Spielzeuge sein. Dafür hab ich sogar den Preis gezahlt, meine Liebe zu verleugnen und jeden Versuch gewagt, sie auszurotten wie Unkraut. Aber ich habe nicht einen Schritt in die Richtung unternommen, sie funktionieren zu lassen. Ich hatte zuviel Angst. Ich werde nie erfahren, ob es hätte funktionieren können, wenn ich anders gehandelt hätte.

Verlieben, verloren,
vergessen, verzeihn,
verdammt, war ich glücklich!
Verdammt, bin ich frei!
Ich hatte doch alles, alles, was zählt
ohne dich leben, jetzt ist es zu spät

Im Grunde haben wir beide uns selber durch unser eigenes Verhalten viel mehr verletzt, als wir es jemals gegenseitig hätten tun können. Diese Einsicht kommt mir nicht zum ersten Mal. Warum tut sie gerade jetzt so weh und beschäftigt mich in letzter Zeit derart?

Weil ich mich zurücksehne nach den Gefühlen von damals. Ich bin in diesem Jahr nicht nur wahnsinnig unglücklich, sondern auch unglaublich glücklich gewesen. Ich sehne mich nach den Momenten, in denen das Herz die Kontrolle übernimmt, man wie auf Wolken schwebt und alles möglich erscheint.

Natürlich hatte ich dieses Gefühl auch nach dir, sogar ein einziges Mal wieder annähernd so stark wie bei dir. Warum denke ich trotzdem an dich statt an ihn? Weil die Sache mit ihm, obwohl sie noch nicht lange her ist, bereits jetzt viel abgeschlossener ist, als sie bei dir jemals sein wird. Wir haben alles besprochen, ich habe keine offenen Fragen mehr an ihn und ich weiß genau, was wann wo schief gelaufen ist und warum aus uns nicht mehr werden konnte. Mir ist klar, dass weder sein noch mein Verhalten fehlerfrei und perfekt waren, aber trotzdem keiner von uns beiden die Schuld daran trägt, dass es nicht funktioniert hat. Wir waren einfach nicht füreinander gemacht und das wusste ich eigentlich von Anfang an.

Aber du und ich, wir konnten nie offen miteinander reden, und wenn doch, waren wir uns nie sicher, nicht angelogen zu werden. Viele Fragen sind offen, und ich frage mich oft, was gewesen wäre, wenn ich mich in dieser oder jener Situation anders verhalten hätte. Doch selbst, wenn ich noch eine Möglichkeit hätte, mit dir zu sprechen - ich weiß genau, du gehst nicht ans Telefon, wenn du meine Nummer siehst, auch wenn ich nur vermuten kann, warum - würde das absolut nichts mehr ändern zwischen uns. Denn ich heule den Gefühlen hinterher, nicht dir. Und das ist eigentlich das Schlimmste an der ganzen Geschichte. Zu wissen, dass der Zug definitiv abgefahren ist. Ich liebe dich nicht mehr, und ich habe es schon nicht mehr getan, als ich dich das letzte Mal gesehen habe, auch wenn es mich selbst überrascht hat. Ich kann meine Fehler der Vergangenheit nie wieder gut machen, weil es keine Zukunft für uns gibt.

Dass ich gestern Nacht einen sehr emotionalen Traum von meiner großen Liebe hatte, bestätigt mich in meiner Einschätzung. Ich habe mich nach dem Aufwachen gefragt, warum ich so etwas von ihm träume, wo ich mir doch seit anderthalb Jahren endgültig sicher bin, über ihn hinweg zu sein. Meine Erklärung ist: Es ist völlig egal, von wem ich im Moment träume oder wem ich hinterhertrauere. Es geht dabei nicht um den Mann, sondern um die Gefühle, die ich mir zurücksehne. Ich möchte so gerne wieder jemanden kennenlernen, bei dem ich Herzklopfen und Schmetterlinge im Bauch habe, jemanden, der mir das Gefühl gibt, fliegen und auch wieder zu Boden stürzen zu können, jemanden, über den ich alles erfahren möchte, jemanden, mit dem ich pausenlos Nachrichten schreiben kann und trotzdem jedes Mal aufgeregt bin, jemanden, bei dem mein ganzer Körper kribbelt, wenn er mich nur flüchtig berührt, jemanden, der mich zu einer willenlosen Untertanin meines Herzens macht… und endlich mal jemanden, der all das auch erwidert. Ich weiß, dass es möglich ist, nicht nur in Büchern, sondern auch im wahren Leben.

Und so kommt es, dass ich unglücklich darüber bin, dass ich über jede verflossene Liebe hinweg bin, und dass ich kürzlich nachts jemanden anrufen wollte, dem ich nichts mehr zu sagen habe, und das nur aus schlechtem Gewissen darüber, dass er mir egal ist.

8.3.15 19:00

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