Letztes Feedback

Meta





 

Nein, ich werde dir nichts sagen. Natürlich nicht.

Ich hätte nie gedacht, dass ich das jemals sagen würde - und schon gar nicht so schnell -, aber ich verstehe meinen ehemaligen besten Freund, und das sogar viel besser als mir lieb ist. Höchst wahrscheinlich resultierte mein früheres Unverständnis nur daraus, dass ich noch nie in einer derartigen Situation gewesen war.

Er hat über Jahre hinweg mehr als Freundschaft für mich empfunden und diese Tatsache nicht nur lange für sich behalten (was ich ihm nicht mal so übel genommen hätte), sondern - und das war das Unverzeihliche für mich - auch jedes Mal gelogen, wenn wir auf das Thema zu sprechen kamen. Ich habe mich unendlich verraten gefühlt, als er mir endlich gebeichtet hat, dass er mich immer noch liebt - mehr als nur "eine" Freundin.

Ich habe die Lüge als schlimmen Vertrauensbruch gesehen und konnte diese Handlung überhaupt nicht nachvollziehen. Auch habe ich ihm sehr nachgetragen, dass er mich so oft fallen lassen hat - in Form von komplettem Kontaktabbruch von heute auf morgen - und phasenweise sehr abweisend zu mir war, obwohl ich mir gar keiner richtigen Schuld bewusst war. Wir waren ja nur Freunde, und das wollte ich ihm glauben, deshalb habe ich seine Aussagen nie in Frage gestellt. Im Nachhinein denke ich, dass ich schon einige Male etwas geahnt habe. Aber natürlich war es leichter, sich damit nicht auseinanderzusetzen, vor allem, da er mir immer gesagt hat, was ich hören wollte: "Nein, wir sind nur Freunde. Ich bin drüber weg."

Wie konnte er nur so verlogen sein?!, habe ich mich damals immer wieder gefragt. Gerade bei allem, was wir geteilt haben. Und gerade darin liegt der Grund, das weiß ich nun. Als ich mit einem anderen Freund über die Geschichte sprach, sagte jener: "Verstehst du denn nicht, dass er dich nur belogen hat, weil er dich nicht verlieren wollte?" Nein, das habe ich nicht verstanden. Aber ich war auch noch nie in einer vergleichbaren Situation gewesen. Ich habe von den Männern, in die ich bis jetzt verliebt war, größtenteils Zurückweisungen erfahren. Niemals kam ich in die Situation, eine Freundschaft mit jemandem führen zu können, für den ich mehr empfunden habe als Sympathie.

Bis jetzt…

Manche Menschen sind wie Sonnenstrahlen im Leben. So kitschig es klingt, dieser Mann ist mir schon auf den allerersten Blick aufgefallen und hat mich fasziniert. Normalerweise verlieren Menschen einen Teil ihrer Anziehung für mich, wenn ich sie besser kennenlerne, und ich störe mich an ihren negativen Eigenschaften, aber je besser ich ihn kennenlerne, umso toller finde ich ihn. Seine Anwesenheit gleicht alles Schlechte in meinem Leben sofort aus, und selbst nach viereinhalb Monaten Verliebtsein hüpft mein Herz noch, wenn ich ihn sehe, und ich muss ständig grinsen wie ein kleines Mädchen, wenn er mich ansieht.

Lovin' every minute 'cause you make me feel so alive…

Er weiß, dass ich mir mehr erhofft habe als nur eine Freundschaft, und ich weiß, dass es nie mehr als das sein wird. Anfangs haben wir über die Situation gesprochen und beschlossen, eine Zeit lang Abstand zu halten, bis ich darüber hinweg bin und wir ganz normale Freunde sein können. Alleine schon das war neu für mich. Jemand, der mich menschlich so sehr mag, dass er auf eine Freundschaft mit mir wartet? Klingt wie aus einem kitschigen Roman statt aus dem echten Leben gegriffen.

Der Abstand tat mir gut, und ich war überzeugt, dass ich alles richtig mache. Die Lage war für beide von uns klar, wir hatten uns ausgesprochen und den Kontakt reduziert, um kein unnötiges Öl ins Feuer zu kippen. Aber erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt… Wir bekamen wieder mehr Kontakt und ich schaffte es nicht, den Abstand aufrechtzuerhalten. Wir reden auf einer Ebene, die man selten miteinander hat… Obwohl ich ihn schon einmal sehr enttäuscht habe, hat er wieder Vertrauen zu mir gefasst, und wir sprechen über wirklich tiefgehende Dinge. Ich habe den Eindruck, dass ihm der Kontakt mit mir gut tut… und deshalb möchte ich nicht nur, dass ich ihn nicht verliere, sondern auch, dass er mich nicht verliert. Sein Befinden ist mir dabei noch wichtiger als meins - aber ich bin an einem Punkt angelangt, an dem ich sowieso nicht zurückkönnte, selbst wenn ich mich dazu entschließen wollte.

Natürlich werden die Gefühle so nicht weniger - eher mehr. Und das bringt mich in ein Dilemma. Einerseits ist es so schön, mit ihm Zeit zu verbringen und ihn immer besser kennenzulernen, und andererseits tut es so weh, ihm so nah und doch noch distanziert zu sein, von ihm zu träumen und zu wissen, dass diese Vorstellungen niemals wahr werden… Ich bin mit der Situation völlig überfordert. Er weiß nicht, dass meine Gefühle stärker geworden sind - wobei ich denke, dass er es ebenso vermutet und nicht wahrhaben will wie ich damals bei meinem ehemaligen besten Freund. Wir haben seit über drei Monaten nicht mehr direkt darüber gesprochen, aber ich habe Angst davor, dass er mich eines Tages fragt, wie es mir mit der Situation geht. Ich will ihn nicht belügen, aber ich kann ihm nicht die Wahrheit sagen. Ich will ihn nicht verlieren, und ich will auch nicht, dass er sich unwohl fühlt.

Vor dreieinhalb Monaten waren wir uns einig, dass so eine "kleine Schwärmerei" (für die ich es damals halten wollte) ja im Nu vorbeigehen würde. Er sagte, damit könne er umgehen, aber wenn ich gesagt hätte, dass ich ihn lieben würde, hätte ihm das Angst gemacht. Wie sollte ich ihm also jemals die Wahrheit sagen? Mir bleibt gar nichts anderes übrig als zu lügen. Nein, es geht mir gut. Meine Gefühle bereiten mir keinen Kummer. Ich bin drüber weg, wir können Freunde sein.

Das Schlimme ist: Wir würden wirklich gut zusammenpassen. Wir denken oft sehr ähnlich, und es versetzt mir einen Stich mitten ins Herz, wenn ihm jemand wehtut oder es ihm aus anderen Gründen schlecht geht. Er ist so lieb zu mir und zeigt mir in kleinen Gesten, dass ich ihm anscheinend auch was bedeute, zumindest als Freundin… Klar frage ich mich manchmal auch, ob er mich nicht nur ausnutzt, weil ich gerade da bin. Ich weiß nicht, ob das eine berechtigte Angst ist oder eine eingeredete, weil ich so sehr an die Abweisung gewöhnt bin.

Trotz allem ist da immer noch der Gedanke, dass er ähnlich für mich fühlt wie ich für ihn - und irgendwann einsehen wird, dass ich die eine Frau für ihn bin. Egal, wie unrealistisch das ist - die Hoffnung stirbt zuletzt.

Call me a sinner, call me a saint
Tell me it's over, I'll still love you the same
Call me your favorite, call me the worst
Tell me it's over, I don't want you to hurt
It's all that I can say, so I'll be on my way

13.1.14 23:26

Letzte Einträge: Heimweh nach einem Menschen, Ungesagtes, Niemals leicht, Seegespenst (Heinrich Heine), Seegespenst (Heinrich Heine)

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen