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Dieser eine Mann

Man sagt, dass es für jede Frau diesen einen Mann in ihrem Leben gibt - der gar keiner näheren Beschreibung bedarf, weil sie schon nach diesem Halbsatz sofort an ihn denkt. Eine Frau, die nun nach diesem Anfang keinen bestimmten Mann im Kopf hat, hat ihn noch nicht gefunden und wird mich wahrscheinlich nicht verstehen.

Für mich kann es auch nach all den Jahren nur eine Person geben, an die ich dabei sofort denke. Ich habe diesen Mann getroffen, als ich 16 Jahre alt war, und mich viel zu hoffnungslos in ihn verliebt. Das, was sich zwischen uns abgespielt hat, verdient die Bezeichnung "Beziehung" nicht, dafür kannten wir uns zu wenig und hatten zu kurze Zeit Kontakt. Die Umstände waren ungünstig und mein unreifes Verhalten hat sein Übriges dazugetan. Er wollte nichts mehr mit mir zu tun haben. Heute verstehe ich ihn, damals überhaupt nicht. Es dauerte viel zu lange, bis ich ihn endlich loslassen konnte, und ich schäme mich sehr für die blinde, aufdringliche Art, mit der ich bis dahin versucht hatte, mich an ihn zu klammern.

Ich wusste damals schon ziemlich schnell, dass ich nie wieder so fühlen würde, und damit habe ich bis heute Recht behalten. Das, was ich für ihn empfunden habe, war viel mehr als Liebe - es ist kaum in Worte zu fassen, es war solch eine tiefe Verbundenheit, eine Seelenverwandtschaft, ich war mir sicher, mein Gegenstück gefunden zu haben. Man muss nicht besonders klug sein, um zu wissen, dass es ihm mit mir nicht so ging. Sicher steht fest, dass ich mich durch mein Verhalten selber bei ihm disqualifiziert habe, aber wenn ich die Eine für ihn gewesen wäre, dann hätte er sich wohl nicht abschrecken lassen und hätte irgendwann einmal wieder den Kontakt zu mir gesucht. Aber das hat er nicht und mir ist bewusst, was das heißt. Ich habe mich damit abgefunden, aber es trotzdem nie verstanden. Wie kann er der Eine, der Richtige für mich sein, wenn er nichts für mich fühlt? Wie kann so etwas einseitig sein? Es war ja keine einfache Liebe, es war dieses Zugehörigkeitsgefühl, als hätten sich zwei extra füreinander angefertigte Puzzleteile gefunden. Wenn er das nicht fühlt, dann kann es nicht wahr gewesen sein, dann können wir nicht füreinander bestimmt sein. Aber warum habe ich es dann mit solcher Sicherheit gespürt, mit der ich noch nie etwas anderes erfahren habe? Es hat keinen Sinn und keine Logik für mich, ich komme nicht dahinter. Was nützt es, wenn man die richtige Person getroffen hat, mit der man sein Leben verbringen will, wenn man genau weiß, dass man sie nie wieder sieht? Wie kann es dann noch richtig sein, wenn man nie zusammenfindet? Das hat für mich nichts mehr mit Schicksal zu tun, das ist einfach nur noch tragisch und grausam...

Ich hatte mich damit abgefunden, dass es so sein würde, und dass dieser Mann der Vergangenheit angehört. Sicher, er würde immer ein Teil von mir sein, aber eben einer, der weder der Gegenwart noch der Zukunft angehört. Ich habe nicht mehr gelitten wegen ihm und es tat nicht mehr weh, ihn nicht in meinem Leben zu haben. Ich konnte die Situation akzeptieren. Trotzdem habe ich etwa ein- bis zweimal im Jahr von ihm geträumt, was ich mir nie richtig erklären konnte. Aber ich wusste eben, dass er so tiefe Spuren in meinem Innern hinterlassen hatte, dass ich ihn niemals in meinem Leben vergessen werde - egal, wo er ist und was er tut und egal, wo ich bin und was ich tue.

Ich habe tatsächlich nie wieder so etwas empfunden wie damals für ihn, nicht einmal annähernd, aber das heißt nicht, dass ich nie wieder geliebt habe. Die Jahre sind verstrichen, mein Leben ist weitergegangen, mein Herz ist nicht mehr gebrochen und es kann wieder lieben, so sehr, dass ich die Hoffnung nie aufgegeben habe, mit einem anderen Mann glücklich zu werden. Und doch weiß ich: Angesichts dessen, was ich einmal gefühlt habe für ihn, kann jedes Gefühl für einen anderen Mann nur noch ein Kompromiss sein. Ich dachte, damit könne ich leben. Mir bleibt ja gar nichts anderes übrig, da mein Zug bei ihm ja definitiv abgefahren ist.

Vor Kurzem habe ich ihn in einem sozialen Netzwerk gefunden. Ich weiß selber nicht mal, warum ich ihn überhaupt gesucht habe; auch wenn ich mich noch oft gefragt habe, was aus ihm geworden ist, wollte ich ihn eigentlich in Ruhe lassen... Nachdem ich gesehen hatte, dass es ihm allem Anschein nach gut geht, war ich beruhigt und wollte die Sache wieder abhaken. Doch der Gedanke, ihn nicht kontaktiert zu haben, machte mich irgendwie unruhig, ich konnte damit nicht leben. Ich verstehe selber nicht, warum, er war in den letzten Jahren wirklich kein Thema mehr für mich... Vielleicht ist das auch nur ein Flashback, das alle zwei Jahre wiederkommt, aber ich denke in letzter Zeit wirklich viel zu oft an ihn. Es mag auch daran liegen, dass ich mir momentan so sehr eine ernste Beziehung wünsche, die genauso ist wie die, die ich mir damals mit ihm ausgemalt habe... Ich habe ihm also geschrieben und natürlich hat er mir nicht geantwortet. Er wird es auch nicht tun, das wusste ich vorher schon. Trotzdem verstehe ich nicht, warum mich die Angelegenheit plötzlich wieder derart beschäftigt und was das alles für einen Sinn haben mag. Mir war bewusst, dass er mir nicht egal ist, aber ich dachte, dass meine Gefühle für ihn nicht mehr über Sympathie hinausgehen würden. Warum wünsche ich mir denn dann so sehnlichst, dass er mir zurückschreibt? Ich hatte gedacht, ich sei endlich über ihn hinweg und das schon seit Langem... aber kommt man überhaupt jemals über diesen einen Mann hinweg oder wird diese Sehnsucht nach ihm immer bleiben?

Wen soll ich suchen,
was soll ich finden,
wer von euch hält mich ab?
Wen soll ich suchen,
wen soll lieben,
wenn ich dich nicht hab?

9.7.13 03:27

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