Letztes Feedback

Meta





 

Wenn man jemanden liebt, der Gift für einen ist...

Schon seit Längerem stelle ich mir diese Frage. Was soll man tun, wenn man jemanden liebt, aber derjenige einen schlecht behandelt? Wenn ich jemanden liebe, bin ich bereit, ihm alles zu geben. Aber wenn die Nähe, ja der ganze Kontakt mit der Person, mir schadet? Darf ich das zulassen? Ich muss mich doch auch selbst schützen, mich um mein Leben kümmern und darf mich nicht runterziehen lassen. Zumal ich doch weiß, dass es zu nichts führt. Aber wie kann ich jemandem etwas verwehren, wenn ich ihn doch liebe? Ist nicht das kleine Glücksgefühl, das mir diese Liebe hin und wieder gibt, all den Schmerz wert? Ich bin bereit, mich selbst zu opfern für jemanden, den ich liebe. Sogar so ziemlich ohne zu zögern. Aber was, wenn ich weiß, dass derjenige es nicht verdient hat? Ich möchte meine Liebe als Geschenk sehen, das nur Menschen bekommen, die es in meinen Augen wert sind. Denn sie ist selten und kostbar. Wie kann ich welche lieben, die es nicht wert sind? Wieso liebe ich Leute, die ich nicht lieben will? Und wieso zur Hölle meint ihr, euch das Recht rausnehmen zu können, euch alles zu erlauben, weil ich euch ja sowieso verzeihe, weil ich euch ja sowieso immer lieben werde? Wie können Menschen, die mich nicht lieben, so dreist sein, meine Liebe auszunutzen und auch noch auf ihr rumzutrampeln? Und falls ihr mich doch liebt: Warum behandelt ihr mich dann nicht so?

Ich bin ein Mensch, der zu den Seinen hält, in guten wie in schlechten Zeiten. Jeder hat schlechte Zeiten. Ich kann jemandem alles verzeihen, weil ich ihn liebe. Wenn er aus einer augenblicklichen Überzeugung gehandelt hat oder wenn ich sehe, dass er sein früheres Handeln als falsch einschätzt, sich entschuldigt, mich um Verzeihung bittet. Natürlich will ich jemandem glauben, den ich liebe. Ich will glauben, dass er mich auch liebt, dass er es gut mit mir meint und am besten mit allem anderen auch. Aber ich kann dabei nicht meinen Verstand ausschalten und jemandem alles glauben, nur weil ich ihn liebe. Deshalb kann ich es einfach nicht zulassen, dass ihr mich ausnutzt, mich verletzt, mir mein Herz rausreißt, es zerfetzt, darauf rumtrampelt, Säure drüberschüttet und mit den Resten Brennball spielt. Dennoch frage ich mich, ob das nicht meine Pflicht wäre, als Mensch, der euch liebt. Hat Liebe Pflichten? Aber wenn nicht, hat sie Bedingungen, die man an die Menschen stellt, denen man sie entgegenbringt?

Ich weiß es nicht. Ich versuche, die Mitte zu finden, den Ausgleich zwischen Gefühl und Verstand, denn beide Argumentationen erscheinen mir schlüssig. Doch wie sieht "die Mitte" aus? Was ist der Kompromiss zwischen Ja und Nein, zwischen kein Kontakt und Kontakt, zwischen Selbstschutz und Selbstaufgabe?

Die Antwort lautet: Ich liebe euch, aber mich lieb ich mehr. Denn ich bin die einzige Person, der ich niemals aus dem Weg gehen kann, und wenn ich nicht dafür sorge, dass ich mich in meiner Haut wohlfühle, tut es keiner.


27.6.10 20:15

Letzte Einträge: Nein, ich werde dir nichts sagen. Natürlich nicht., Heimweh nach einem Menschen

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Janka (9.2.13 16:41)
Sehr sehr schöner und weiser Text! Hat mir sehr geholfen!

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen