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Heimweh nach einem Menschen

Ich weiß nicht, warum ich gerade in letzter Zeit wieder so oft an dich denken muss. Vielleicht, weil ich vor Kurzem Trauzeugin bei einer Hochzeit war und dabei immer wieder meine eigene Hochzeit vor Augen hatte? Und weil ich mir dabei niemand anderen als Bräutigam vorstellen konnte als dich? Das ist noch immer mein größter Traum.

Der Schmerz sticht noch immer tief, denn ich weiß schließlich ganz genau, dass er sich nie erfüllen wird. Es klingt hart und kalt, aber es ist wahr: Du könntest mir nie das Leben bieten, das ich brauche. Da geht es nicht einmal um Materielles. Ich bemühe mich immer noch, mein Leben so auszurichten, dass du nichts dazutun müsstest als deine Anwesenheit, dass ich dir alles geben und für dich sorgen könnte. Es gibt nichts, was ich nicht für dich sein wollte. Aber trotzdem bin ich mir vollkommen im Klaren darüber, dass wir dennoch nie eine gemeinsame Zukunft haben werden. Es würde einfach nicht funktionieren. Du bist nicht dazu geschaffen, ein bürgerliches Leben zu führen, und ich könnte deine Art zu leben nicht aushalten. Da ist einfach keine gemeinsame Perspektive.

Und ich hätte dir so gern geholfen. Wirklich. Aber du lässt es nie zu, das habe ich mittlerweile begriffen. Du bist erwachsen. Ich bin es auch - und daher weiß ich, dass du dich nicht mehr ändern wirst und dass Liebe nicht genug ist. Manche Differenzen sind unüberbrückbar, egal, wie sehr man es versucht.

Ich würde so gern etwas anderes sagen können. Aber das wäre realitätsfremd. Nach so vielen Jahren trägt man keine rosarote Brille mehr, wenn man auf den anderen schaut.

Diese Hoffnungslosigkeit ändert dennoch nichts an meinen Gefühlen für dich. Nichts, aber auch gar nichts. Die nüchterne Betrachtungsweise meines Verstandes ändert auch nichts daran, dass mein Herz noch immer aufs schmerzlichste hofft.

Du hast mich "meine Liebste" genannt. Obwohl ich an der Ernsthaftigkeit dieser Worte zweifle, gehen sie mir nicht mehr aus dem Kopf. Was, wenn du es doch tatsächlich so gemeint hast? Was, wenn du tatsächlich dasselbe fühlst, aber viel besser dagegen ankämpfen kannst als ich, weil du von vornherein wusstest, was ich erst vor einem Jahr erkannt habe? Und was, wenn wir beide mit dieser Einschätzung falsch liegen und uns selbst unsere Chance verbauen?

There goes my hero,
watch him as he goes...

Ich versuche, mir diese Gedanken nicht zu genehmigen, aber es gelingt mir nicht zu hundert Prozent.

So oder so steht jedoch fest, dass meine Sehnsucht nach dir nicht kleiner wird. Sie ist so überwältigend, dass ich sie nicht beschreiben kann. Schon fast ein Verlangen. Wie Heimweh, nur nach einem Menschen.

I can't find the words to say
They're overdue
I've traveled half the world to say
I belong to you

Du fehlst mir so sehr und es fällt mir so verdammt schwer, dieses Gefühl zu ertragen.

Ich war auf den Gipfeln hoher Berge,
sah von oben auf das Land;
ich kam von der Mündung an die Quelle,
schlief auf Seide und auf Sand

Doch egal auf welchen Wegen,
wem immer ich begegne:
Es ist keiner wie du!
Egal, wohin ich gehe,
wen immer ich dort sehe:
Es ist keiner wie du!

Zu der Playlist mit Liedern, die mich an dich erinnern, kommen heute noch neue dazu, und die von damals kann ich kaum noch hören, weil sie mich zu sehr daran erinnern, wie ich gelitten habe, damals, bei jenem ersten Liebeskummer, den ich deinetwegen hatte.

Doch auch, wenn ich älter geworden bin und ruhiger: Es tut nicht weniger weh. Nur anders.

Und nur sie weiß: Es ist nicht, wie es scheint,
Oh, sie weint, oh, sie weint, sie weint!
Aber nur, wenn sie alleine ist...
Denn sie ist, denn sie ist die Eine, die Eine,
die immer lacht, die immer lacht, immer lacht, immer lacht

Ich hab dich vor 10 Jahren geliebt und ich tu's immer noch. Bloß stiller. Ich sprech nicht mehr drüber, nicht einmal mit meiner besten Freundin. Ich mach's mit mir selbst aus, wälze mich allein nachts in meinem Bett hin und her und schreibe meine Empfindungen auf.

Normalerweise versuche ich, nicht zu oft an dich zu denken, weil ich weiß, dass die Hoffnungslosigkeit mir zu schwer zu schaffen macht. Aber in letzter Zeit lasse ich die Gedanken und Gefühle zu. Ich höre fast jeden Tag ein paar Lieder deiner Playlist und gestatte mir Vorstellungen von unserem gemeinsamen Alltag, wenn du bei mir wärst.

Ich will nur,
dass du weißt:
Ich hab dich immer geliebt
und dass es
am Ende
auch keinen anderen gibt

Ich kann und werde dich nie aufgeben. Ich hab dich nur losgelassen.

10.6.17 01:15, kommentieren

Worte für das Unbegreifliche finden

Ich wusste schon lange, dass 2016 ein außergewöhnliches Unglücksjahr war. Dass es zusätzlich zu den bereits bekannten Tragödien im öffentlichen und privaten Raum noch eine weitere in meinem eigenen Leben geben würde, hatte ich seit einigen Wochen befürchtet. Seit heute habe ich Gewissheit, dass dieses Jahr wirklich das Fieseste und Ungerechteste war, was der Menschheit seit Langem widerfahren ist.

Das Letzte, was ich dir geschickt habe und du gelesen hast, war ein Meme mit den Worten "Druckt jemand bereits 'I survived the year 2016'-T-Shirts? Oder wartet ihr lieber noch ab?". Bevor ich auf "senden" gedrückt habe, hatte ich kurz eine böse Vorahnung - es war ein sehr mieses Jahr für dich gewesen und es war noch nicht vorbei. Es hätte perfekt in deine Pechsträhne gepasst, dass nicht einmal dieser T-Shirt-Spruch auf dich zutreffen sollte. Aber ich hätte nie gedacht, dass du tatsächlich soviel Pech haben würdest. Das könnte einfach nicht sein. Ich habe mir so sehr gewünscht, dass dieses verdammte Jahr in ein paar Tagen endlich vorbei sein würde und dir das nächste all das wiedergeben würde, was du 2016 verloren hattest. Dass du deine Ziele erreichen und wieder glücklich sein könntest. Ich hätte niemals ernsthaft geglaubt, dass dies meine letzte Nachricht an dich sein würde, die dich erreichen würde.

Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll, wenn ich daran denke, dass schon am nächsten Tag alles vorbei war für dich. Irgendwie passt es sogar zu deinem tiefschwarzen Humor, ausgerechnet nach so einer Nachricht von mir zu sterben. Ob du daran gedacht hast, als du gemerkt hast, dass es zu Ende ging? Oder hast du es nicht mehr realisiert - wurdest du ohnmächtig, bevor dir klar wurde, was geschieht? Was ich über deine Todesumstände gehört habe, hört sich grausam und qualvoll an - aber ich weiß, dass deine Schmerzgrenze eine wesentlich höhere war als bei den meisten anderen Menschen. Du warst derjenige, der den Notarzt erst gerufen hat, wenn er sichergehen konnte, die nächste Zeit auf der Intensivstation zu verbringen. Die letzten zwei Male bist du dem Tod von der Schippe gesprungen und ich hab immer erst hinterher davon erfahren. Ich war immer besorgt und gleichzeitig erleichtert - die Gefahr war ja jedes Mal schon überstanden, als du mir davon erzähltest, und ich war so froh, dass du immer wieder diese gehörige Portion Glück im Unglück hattest. Ich habe nicht ernsthaft geglaubt, dass ich mich so bald mit einer anderen Wahrheit würde auseinandersetzen müssen.

Doch diesmal war irgendetwas anders. Als ich dich das erste Mal nicht erreichen konnte, hat es sich anders angefühlt als die letzten Male. Ich bin an Neujahr einen Umweg nach Hause gefahren, um zu sehen, ob bei dir alles in Ordnung ist. Eine kurze Zeitlang konnte ich mich wirklich der trügerischen Hoffnung hingeben, dass du mir die Tür öffnen würdest und wir einen Tee zusammen trinken würden, bevor ich weiterfahren müsste. Doch eigentlich habe ich gespürt, dass das nicht passieren würde. Eine Spiegelung hat mich getäuscht, als ich auf der Suche nach einem Parkplatz an deinem Haus vorbeigefahren bin. Deine Wohnzimmerfenster schienen hell erleuchtet und strahlten Wärme aus. Ich dachte daran, wie erleichtert wir uns gleich in die Arme fallen würden, wenn ich bei dir geklingelt hätte. Wie froh ich sein würde, dich gesund und munter anzutreffen, und dass du mir erzählen würdest, was dich so dermaßen auf Trab gehalten hatte, dass ich dich so lange nicht erreichen konnte.

Als ich mein Auto schließlich abgestellt hatte und mich deiner Wohnung näherte, war alles stockdunkel. Ich wollte es nicht glauben. Dann sah ich es: Die Beleuchtung des gegenüberliegenden Gebäudes war so hell, dass es von der Straße aus betrachtet aus einem bestimmten Winkel so aussah, als käme das Licht aus deinem Wohnzimmer. Du hast die Lampen nie angehabt an diesem Tag. Auch nicht in den Wochen davor.

Ich habe trotzdem geklingelt und mir eingeredet, dass du dich vielleicht nur schlafen gelegt hättest - ein sinnloses, verzweifeltes Unterfangen, kenne ich dich doch gut genug, um zu wissen, dass dich nicht einmal ein Gewitter aufwecken kann. Dein Name stand noch am Klingelschild. Als ich dir einen Zettel schreiben wollte, konnte ich deinen Briefkasten im Dunkeln nicht finden. Ich legte meine Nachricht - auf einen Kassenbon mit Kajal geschrieben, weil ich weder Kuli noch Terminplaner auf die Schnelle finden konnte - unter die Fußmatte und hoffte, dass sie irgendjemand lesen würde, der mir Auskunft über dich geben könnte. Die ganze Szene vor deinem Haus hatte so etwas Surreales, Unheimliches. Du warst überhaupt nicht da.

Noch einmal versuchte ich, dich zu Hause anzurufen. Etwas war neu. Dein Telefon war jetzt nicht mehr nur vorübergehend nicht zu erreichen. Es war abgeschaltet.

Ich war beunruhigter als zuvor, versuchte mich aber mit dem Gedanken zu trösten, dass du "nur" im Krankenhaus wärst und ich in einem Monat von dir hören würde, was passiert war. Ich machte mir allerdings auch Gedanken über die Alternative. Würde ich überhaupt jemals erfahren, wenn dir etwas zugestoßen wäre? Wir hatten keine gemeinsamen Freunde und deine Familie würde mich mit Sicherheit nicht kontaktieren. Andersrum genauso - allein schon aus Angst vor der Peinlichkeit, was wäre, falls doch nichts passiert wäre und du dir nur, wie schon zuvor des Öfteren geschehen, eine Auszeit genommen hättest.

Einen Gedanken hatte ich jedoch. Es gab eine Person in deiner Familie, der ich traute, weil du es tatst, und bei der ich gleichermaßen auch nichts zu verlieren hatte, weil ich sie nicht kannte. Ich schrieb ihr am 3. Januar eine Nachricht - aber da wusste ich es bereits. Ich hatte zwei Fotos auf ihrem Profil gesehen, die eindeutig auf einen Todesfall schließen ließen. Obwohl es sich auch auf jeden anderen Menschen in ihrem Umfeld hätte beziehen können, wusste ich, dass es um dich ging.

Danach lebte ich in einem Zustand, der mich an Schrödingers Katze erinnert: Ich wusste von deinem Tod und wusste es gleichermaßen nicht. Ich ging davon aus, doch ich hatte keine Bestätigung und hoffte daher immer noch, dass es nicht so wäre. Bis vor sechs Stunden, als ich endlich Antworten auf meine Fragen erhielt.

Auch, wenn diese Information eine der fiesesten war, die ich jemals erfahren musste, und ich mir so viel anderes für dich gewünscht hätte - vor allem einen anderen Tod! -, bin ich dennoch erleichtert und froh, dass ich es nun weiß. Die Ungewissheit war schlimmer zu ertragen als diese unfaire Wahrheit.

Ich schwanke noch stark in meinen Gefühlen. Die Trauer hat sich bis jetzt nur ein paarmal kurz angedeutet, doch ich bin sicher, sie wird noch mit mehr Gewalt zuschlagen in den nächsten Tagen. Andererseits ist es etwas leichter für mich zu akzeptieren, weil du nicht meiner Generation angehörst. Du warst zu jung zum Sterben, aber du hast gelebt. Du hättest noch Dinge vor dir gehabt, aber nicht mehr ein ganzes Leben. Du durftest so viele Erfahrungen machen und in vollen Zügen genießen und das hast du auch. Du hast immer getan, was du nicht lassen konntest. Ich weiß, du hast nichts ausgelassen, was du tun wolltest, und nichts bereut.

Aber andererseits verpasst du doch so viel. Wir wollten immer zu einem Fußballspiel unseres gemeinsamen Lieblingsvereins ins Stadion gehen. Du warst neugierig auf das Pastagericht, das ich so oft esse und nie geschafft habe, für dich zu kochen. Ich hingegen habe das Rezept, das du mir mal gezeigt hast, vergessen und wollte dich immer mal wieder danach fragen. Du wolltest das Erbe deiner Mutter verprassen und ich weiß, du hättest deinen Spaß damit gehabt und war schon ganz gespannt darauf, welcher Sportwagen es werden würde. Nun bist du vor ihr gegangen. Ich habe dich immer als meinen Trauzeugen gesehen und kann mir in diesem Amt wirklich keinen anderen vorstellen.

Du bist die erste Person, die stirbt, von denen, die mir wirklich nahestanden, über Jahre hinweg, von der Familie, die man Freunde nennt. Ich weiß einfach nicht, wie das ist. Ich habe gehofft, ich hätte noch lange Zeit, um mir zu überlegen, wie ich damit umgehen muss.

Wir haben schon einmal darüber gesprochen. Du hast mir gesagt, du möchtest vor mir gehen. Ich hatte Angst davor, in einer Welt zu leben, in der von dir nur Erinnerungen bleiben. Sie käme mir so leer vor. Du hast mir versprochen, nach mir zu suchen im nächsten Leben. Hältst du dein Versprechen ein? Oder geht das gar nicht, weil es gar keine Wiedergeburt gibt? Verschwindet man einfach - oder sitzt du gerade zusammen mit deiner Frau auf einer Wolke und lächelst? Sollte es wirklich Himmel und Hölle geben, so bin ich mir sehr sicher, dass du in die Hölle gekommen bist, dort voll auf deine Kosten kommst und mir schon mal den Platz direkt neben dir reserviert hast. Ich hoffe, es gibt da oben genug Chivas Regal und du stellst schon mal den Amaretto kalt!

Fühlt die Welt sich ohne dich so leer an, wie ich befürchtet hatte? Noch nicht. Ich vermisse dich, nicht erst seit heute, sondern schon seit dem Tag, als ich mit dir sprechen wollte und du nicht mehr erreichbar warst. Ich vermisse deinen wunderbar schwarzen Humor, vermisse es, wie du dich mit mir gegen den Rest der Welt verbündet hast und mir immer das Gefühl geben könntest, dass alle anderen sowieso nicht zählen, vermisse die witzigen Spitznamen, mit denen du die meisten Menschen bedacht hast, vermisse deine klugen und immer wohldurchdachten Kommentare zu jedem erdenklichen Thema, deine einfühlsame Art und deine guten Ratschläge.

Manche Menschen wissen nicht,
wie wichtig es ist, dass sie da sind,
wie gut es ist, sie zu sehen,
wie tröstlich ihr Lachen wirkt,
wie wohltuend ihre Nähe ist,
wieviel ärmer wir ohne sie wären
und
dass sie ein Geschenk des Himmels sind!

Ich bin dankbar, dass ich auf fast genau elf wunderbare Jahre mit dir zurückblicken kann, in denen wir so viele gemeinsame Erinnerungen geschaffen haben, dass ich ein Leben lang davon zehren kann, auch wenn es nicht wirklich elf Jahre waren, weil wir zwischendurch immer mal wieder Funkstille hatten... Aber du bist derjenige, den ich sogar in Zeiten, in denen ich nicht wusste, ob ich je wieder von ihm hören würde, meinen besten Freund genannt hab... Und als ich den Glauben an diese Freundschaft mal verloren hatte, da konnte dich trotzdem niemand ersetzen... Ich hatte Freunde, aber einfach niemanden, den ich als "den besten Freund" bezeichnet habe... Es gab einfach keinen zu der Zeit. Und egal, wie oft irgendwer, manchmal auch wir selbst, versucht hat, uns zu trennen... Wir haben immer wieder zusammen gefunden, weil wir einfach zusammen gehören. Du bist mein Seelenverwandter und nun fehlt ein Teil.

Aber fehlst du wirklich? Nein. Du bist immer noch hier bei mir. Ich weiß so oft, was du sagen und wann du lachen würdest, und die Erinnerung an dich werde ich mit Sicherheit nie verlieren, auch wenn ich Angst habe, den Klang deiner Stimme eines Tages zu vergessen.

Wäre ich nicht weggezogen, hätten wir uns noch öfter sehen können. Wir hätten uns wahrscheinlich früher wieder vertragen. Ich habe schon ein paar Monate nach unserem großen Bruch miteinander im Radio "Vom selben Stern" von Ich & Ich gehört und, obwohl das Lied sonst nie einen Bezug zu dir hatte, sofort an dich gedacht. In diesem Moment wollte ich dich einfach anrufen und alles vergessen, was zwischen uns stand. Aber ich hatte eine solche Angst, dass du mich abweisen würdest, dass ich es dann einfach nicht getan habe. Ein Jahr später schrieb ich dir einen Brief, um mich mit dir zu versöhnen, den ich mich nie getraut habe, abzusenden. Erst ein weiteres Jahr danach - fast drei Jahre nach dem großen Schnitt in unserer Freundschaft - konnte ich über meinen Schatten springen und siehe da: Alle meine Befürchtungen waren unbegründet. Es brauchte überhaupt gar keine Erklärungen oder Entschuldigungen, um wieder mit dir in Kontakt zu treten. Wir haben uns einfach gefreut, wieder miteinander sprechen zu können, brachten uns gegenseitig auf den neusten Stand und waren einfach Freunde - wieder oder vielmehr immer noch.

Es tut mir so Leid, dass wir nicht mehr Zeit miteinander verbringen konnten. Ich musste sogar eine Weile überlegen, wann wir uns das letzte Mal gesehen haben. Es war Ostern. Im Oktober wollte ich dich noch einmal besuchen, aber du hast kurzfristig abgesagt, weil es dir nicht gut ging. Wir wollten das Treffen verschieben. Es kam nicht mehr dazu.

Weißt du, was das Verrückteste ist? Nachdem ich beschlossen hatte, Weihnachten 2016 mit einem anderen Teil der Familie zu feiern als sonst und trotzdem unglücklich war über den ganzen Stress, habe ich überlegt, ob es nicht vielleicht am Coolsten wäre, einfach mit einem Freund zu feiern, dem es genauso ging. Einfach mit dir auf der Couch zu sitzen, Pizza zu essen, "Two and a half men" zu gucken, einfach glücklich und entspannt zu sein und sich einen Dreck um die restliche Welt zu scheren. Die Vorstellung war so verlockend, aber ich hatte meinen Verwandten schon zugesagt, also nahm ich mir fest vor, dich 2017 zu fragen. Eine Stimme in meinem Hinterkopf mahnte mich: "Wer sagt dir denn, dass er dann noch da ist?", aber ich habe sie beiseitegeschoben und als Quatsch abgetan. Ich hatte das Gefühl, es sei besser, 2016 zu dir zu fahren. Die Ironie daran ist, dass es keinen Unterschied gemacht hätte. Du hast Weihnachten 2016 nicht mehr erlebt. Es ist furchtbar.

Dennoch bin ich unendlich dankbar, dass ich die Zeit mit dir erleben durfte. Eine Freundschaft, wie wir sie hatten, erfahren andere in ihrem ganzen Leben nicht. Du warst in den schwärzesten Zeiten an meiner Seite und hast mir Wege aus der Dunkelheit gezeigt...

Freunde sind wie Lichter
auf einem langen, dunklen Weg.
Sie machen ihn nicht kürzer, aber heller!

In einer schwierigen Zeit, als du meintest, es sei das Beste, wenn du aus meinem Leben verschwinden würdest und ich mich heftig dagegen gewehrt habe, sagtest du mir: "Egal, was passiert, du wirst immer mein Freund bleiben." In dem Moment habe ich die ganze Tragweite dieser Worte nicht begriffen, aber ich habe später noch oft an sie zurückgedacht und daran, wieviel Wahrheit sie doch enthielten und dass mir das kaum ein anderer Mensch so hätte sagen können.

Death ends a life, not a relationship.

Du wirst immer mein bester Freund bleiben und ich vermisse dich schon jetzt unendlich.

Ich danke dir
Für diesen einen Augenblick
Ich danke dir
Für dieses kleine Stück vom Glück
Ich danke dir
Für den unsterblichen Moment
Den ich für immer bei mir trage
Auch wenn der Vorhang fällt

23.1.17 02:01, kommentieren

You're just too good to be true. Can't take my eyes off of you...

Lange habe ich mich hier nicht zu Wort gemeldet. Doch wer denkt, dass mein Leben derweil ruhiger geworden ist, der irrt. Nur der Fokus hat sich etwas verschoben.

Die letzte unglückliche Liebe zog sich lange hin. Ich hatte kaum die letzten Sätze darüber, wie sehr ich über ihn hinweg war, eingetippt, als er auch schon wieder vor meiner Tür stand. Trotzdem habe ich mich mit meiner Einschätzung nicht geirrt. Die erste Verliebtheit hatte ich überwunden. Aber er hat mich auf so vielen Ebenen fasziniert, dass ich mich noch ein zweites, drittes und viertes Mal in ihn verliebt habe. Das war mir vorher noch nie passiert und genau aus diesem Grund ist auch nie das Kribbeln verschwunden, das ich in seiner Nähe gefühlt habe.

Es war ein langes Auf und Ab. Ich bereue dennoch nichts. Nicht eine Träne, nicht einen Streit, nicht ein böses Wort, keine einzige Trennung und anschließende Versöhnung. Weil alles zur richtigen Zeit geschah. Selbst mit dem Wissen von heute würde ich alles genauso machen, weil unsere Geschichte genau so verlaufen musste. Hätten wir früher alles beendet, hätte ich es nicht kapiert. Ich würde ihm immer noch hinterhertrauern. Hätten wir es nach dem letzten großen Knall nochmal versucht, hätte es uns beiden nicht gut getan. Ich hab ihn nicht vergessen und werd's auch nicht tun. Aber ich weiß, dass unsere gemeinsame Zeit abgelaufen ist und es uns ohne einander besser geht. Die letzte, endgültige Trennung hat sich wie eine große Befreiung angefühlt, dauerhaft.

Ich bin wieder frei, in jeder Hinsicht.

Und wie das Leben so spielt, ist mir kurze Zeit später jemand begegnet. Er ist umwerfend - und ich werde nie eine Chance bei ihm haben. Seine Augen leuchten mich jeden Tag an, er riecht verboten gut, selbst von weitem, ist so freundlich und charmant, dass es schon fast unverschämt ist, und sich dessen wahrscheinlich nicht einmal bewusst... Natürlich kenne ich ihn nicht gut, aber was ich bis jetzt kenne, gefällt mir sehr. Vom ersten Augenblick an bekomme ich ihn nicht aus dem Kopf - seit nunmehr fast sechs Monaten schmachte ich ihn aus der Ferne an. Und ich weiß ganz genau, so wird und so muss es bleiben.

Sein Ehering war das Erste, was mir nach seinen leuchtenden Augen aufgefallen ist, noch am ersten Tag. Ich konnte es zunächst gar nicht glauben. Er sieht viel zu jung aus, um schon verheiratet zu sein. Leider ist es aber wahr... Im ersten Moment war ich noch naiv genug, zu denken, dass eine minimale Restchance bestünde, dass es ihn auf den ersten Blick genauso getroffen hätte wie mich und er, noch bevor irgendetwas zwischen uns passieren würde, seine Frau verlassen könnte, um mit mir zusammen zu sein. Er hat sie schließlich geheiratet, bevor er mich kannte, er wusste also gar nicht, welche andere Möglichkeit er noch gehabt hätte, und ich hatte nie eine Chance, unter Beweis zu stellen, dass ich unter Umständen besser zu ihm gepasst hätte... Wir waren einfach nicht zur rechten Zeit im gleichen Raum-Zeit-Kontinuum. Das Leben ist manchmal nicht fair.

Alle hätte-wäre-könnte-wenn-Gedanken waren sofort weggeblasen, als ich erfahren habe, dass er nicht nur Ehemann, sondern auch Vater ist... Auch das hat mich kalt erwischt. Aber ich würde mich schon nicht aktiv in eine Ehe einmischen, wenn sie kinderlos wäre, und einem Kind seinen Vater wegzunehmen, kommt für mich überhaupt nicht in Frage.

Ich muss aufhören, an ihn zu denken. Und für eine Weile ist mir das auch einigermaßen gelungen. Aber es ist schwierig, ihn nach wie vor zu sehen. Er weiß natürlich nichts von meinen Gedanken und Gefühlen und ist einfach nur normal nett zu mir. Und er ist so verdammt umwerfend, und dass er nicht einmal von dieser Wirkung ahnt, macht ihn umso attraktiver...

Nur wer dich sah, kann mich versteh'n.
Du kamst mir nah, und ich blieb steh'n.
Nur wer dich fühlt, kennt deine Haut.
Ein langer Blick, der keinem traut.
Nur wer dich schmeckt, kennt das Gefühl,
dass man ewig geben will.
Nur wer dich sieht, kennt auch die Macht,
erstarrte Flammen in der Nacht.

Ich kann nicht aufhören, ihn heimlich anzuschmachten. Solange ich es ihm nicht zeige, ist da ja auch überhaupt nichts bei. Die Gedanken sind frei und Fantasien sind immer erlaubt. Solange man sie niemals Realität werden lässt. Manchmal ertappe ich mich bei dem Wunsch, dass seine Frau und er sich einfach so trennen könnten, weil sie sich nicht mehr verstehen, und ich ihm endlich mein Interesse, ihn näher kennenzulernen, signalisieren könnte. Aber ich weiß ganz genau, dass ich nicht einmal dann glücklich wäre, wenn es wirklich so laufen und er sich für mich entscheiden würde. Ich würde einfach nicht damit klarkommen, dass wir beide uns nicht im selben Lebensabschnitt befinden. Ich habe bei einigen Menschen in meinem Umfeld gesehen, dass man manchmal beim zweiten Versuch viel glücklicher wird als beim ersten und dass Patchwork-Familien funktionieren können... Aber auch wenn ein Partner schon Kinder hatte und der andere nicht unbedingt auch immer, hatten sie trotzdem eine Sache stets gemeinsam: Für beide war es die zweite Ehe. Ich aber war noch nie verheiratet und habe keine Kinder. Für mich ist sowohl die Ehe als auch die Familie - vielleicht naiv betrachtet - noch etwas Besonderes und ich habe den Traum von einer heilen Familie noch nicht aufgegeben. Ein Kind braucht immer beide Elternteile und es ist am besten, wenn es mit beiden zusammen in einer harmonischen Gemeinschaft aufwächst. Garantien gibt es zwar für keine Beziehung, unabhängig vom Trauschein und von Kindern, aber in dem Moment, in dem man sich darauf einlässt, glaubt man doch immer, dass es funktioniert - sonst würde man es ja gleich lassen. Bei meinen Eltern ist es anders gelaufen als geplant und ich weiß, wie sich das für ein Kind anfühlt. Deshalb ist es mir sehr wichtig, meinen zukünftigen Kindern dieses Ideal bieten zu können und zumindest mein Bestes dafür zu geben. Aber wie könnte ich mit jemandem leben, der all das schon einmal einer anderen versprochen und gebrochen hat, selbst wenn es meinetwegen gewesen wäre oder selbst wenn sie ihn wegen eines anderen verlassen hätte? Es wäre nicht mehr dasselbe. Er wäre so oder so viel desillusionierter als ich und ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es trotzdem klappen könnte. Außerdem wünsche ich seinen Kindern aus tiefstem Herzen, dass sie nie erleben müssen, wie sich ihre Eltern trennen.

Es gibt keine Zeitreisen. Ich kann die Uhr nicht zurückdrehen an einen Punkt, als er noch unverheiratet und kinderlos war. Diese Gegebenheiten werden immer bleiben. Es gibt also definitiv keine Chance für ihn und mich.

Und tief in mir drin weiß ich, dass das auch gut so ist, weil das, was ich für ihn empfinde, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nur eine Schwärmerei, eine oberflächliche Verliebtheit, ist. So bleibt die Hoffnung, dass irgendwo da draußen jemand ist, der auf dem gleichen Level ist wie ich und den ich unsterblich lieben werde und der diese Gefühle auch erwidern wird.

Aus meinem Kopf wird der hier beschriebene Mann aber sicher erst verschwinden, wenn ich ihn nicht mehr sehen muss. Aus den Augen - aus dem Sinn... Es ist nicht wirklich so, dass ich seinetwegen nicht schlafen könnte oder ihn im Urlaub vermisse. Ich konzentriere mich dann einfach auf andere Dinge und er gerät in den Hintergrund. Nur, wenn ich ihn wiedersehe, geht alles wieder los...

You're just too good to be true
can't take my eyes off of you
you'd be like heaven to touch
I wanna hold you so much

Pardon the way that I stare
there's nothing else to compare
the sight of you leaves me weak
there are no words left to speak

Trotz allem - und das passt nicht ganz zum Rest meines Eintrags, abgesehen davon, dass es bestätigt, dass die eben geschilderte Verliebtheit nur oberflächlich ist - gibt es einen Mann, der mich in letzter Zeit immer wieder beschäftigt - und das, ganz ohne dass ich ihn sehe oder von ihm höre. Ich weiß auch, dass das nächster Zeit nicht geschehen wird, und trotzdem sitze ich immer wieder hier und lese alte Briefe und Nachrichten oder höre Lieder, die mich an ihn erinnern... Doch auch, wenn ich es nicht tun würde, wäre er in meinen Gedanken - es ist vielmehr so, dass ich in manchen Momenten bewusst versuche, die Erinnerungen aufzurufen, weil ich ihn vermisse.

Ich habe hier schon zuvor von ihm geschrieben. Die Rede ist natürlich von "diesem einen Mann". Vor etwa zwei Wochen hätten wir unseren zehnten Jahrestag gehabt und ich kann nicht sagen, wie ich den Tag rumgebracht und wie zur Hölle ich es geschafft habe, sogar zwischenzeitlich gar nicht mehr daran zu denken. Es hat mir das Herz zerrissen. Aber der Kummer fühlt sich jetzt anders an, weil er nicht mehr frisch ist. Es ist ein subtiler Schmerz, einer, über den ich mit niemandem rede, weil ich das bereits in den ersten Jahren, nachdem er mich verlassen hatte, zu Genüge getan habe und weil es heute ohnehin niemand verstehen würde. Ich verstehe es ja selbst nicht so ganz. Aber ich weiß ganz sicher: Nein, man kommt niemals drüber weg. Nein, man hört niemals auf, diesen einen Mann zu lieben.

Doch ich weiß auch, dass es für ihn und mich höchstwahrscheinlich keine ernsthafte Chance geben wird und dass ich für ihn nicht das bin, was er für mich ist. Er ist unerreichbar und wird es bleiben.

Now he left a in hole in my heart
a hole in a promise
a hole on the side of my bed
Oh now that he's gone well life carries on
and I miss him like a hole in the head

Well sometimes you can't change and you can't choose
And sometimes it seems you gain less than you lose

Now we've got holes in our hearts, yeah we've got holes in our lives
Where we've got holes, we've got holes but we carry on

Natürlich mache ich weiter ohne ihn. Damit habe ich mich schon lange abgefunden. Ich weiß auch, dass ich in der Lage bin, starke Liebe für einen anderen Mann zu empfinden. Deshalb gebe ich auch die Hoffnung nicht auf, noch meinen eigenen Familienvater zu finden und mit ihm glücklich zu werden. Aber es bleibt eben wahr: Angesichts dessen, was ich für diesen einen Mann gefühlt habe, kann jedes Gefühl für einen anderen Mann nur noch ein Kompromiss sein, egal, wie bombastisch es auch sein mag. Ich kann das nicht mal angemessen in Worte fassen.

Ich werde mein Leben weiter leben. Ich werde mich in jemand anderen verlieben. Ich werde denjenigen heiraten, mit ihm in ein Haus mit Garten ziehen und ihm die Welt zu Füßen legen, seine Kinder zur Welt bringen und großziehen, für ihn kochen, waschen, putzen, ihn pflegen, wenn er krank ist, alles mit ihm teilen und hoffentlich bis zu meinem Lebensende glücklich an seiner Seite sein... Aber es wird mir dennoch einen Stich versetzen, wenn dieser eine Mann eines Tages eine andere heiraten sollte. Oder wenn er stirbt. Und wenn er eines Tages vor meiner Tür steht und mich bittet, mit ihm zu gehen... Dann werde ich womöglich alles andere zurücklassen. Weil ich ihn so sehr liebe. Weil die Sehnsucht nach ihm zu groß ist. Weil ich immer sein Foto herausholen werde, wenn mich jemand nach meiner großen Liebe fragt. Weil er der Eine ist.

Werd' dich für immer vermissen.
Ich werd' dich nie vergessen.
Jeden goldenen Tag,
werd' ich für immer vermissen.
Egal was wir getan haben,
was wir gesagt haben,
vergess ich nich.
Ich vergess dich nicht.

2.12.16 00:17, kommentieren

Das Gefühl danach

Das ist wieder eine dieser Phasen, in denen ich mich schwer damit tue, angemessene Formulierungen für meinen emotionalen Zustand zu finden. Unter anderem deshalb, weil es nicht leicht ist, ihn abzugrenzen und zu verstehen.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.

Ich sitze an meinem Schreibtisch und höre Lieder, die mich an frühere Zeiten erinnern. An verflossene Lieben. Und ich fühle: Nichts. Nein, das ist nicht ganz richtig. Ich fühle nichts Starkes. Keinen Schmerz mehr, kein Leid. Nur stetig verblassende Erinnerungen und sicher verheilte Narben. Und ich könnte heulen.

Warum?

Weil mir klar wird, dass ich nicht gelogen habe, als ich sagte: Ich bin drüber weg. Selbst bei der letzten unglücklichen, noch nicht lang zurückliegenden Geschichte. Der Schmerz ist vorbei und der Mensch mir egal.

Ich weiß, dass ich mir diesen Moment lange und sehnsüchtig herbeigewünscht habe. Dass ich Liebeskummer als die fieseste aller Krankheiten bezeichnet habe, dass ich unbedingt einen Ausschalter für Gefühle haben wollte, um die Stimmungsverdunkler einfach wegzuknipsen. Ich konnte es nicht erwarten, endlich wieder frei zu sein und die Abhängigkeit, die ich gefühlt habe, loszuwerden.

Aber ich erinnere mich auch noch gut daran, wie alles begann. Wie glücklich ich war, als mich die Liebe wieder einmal überwältigt hat. Wie ein Orgasmus fühlt sich dieser Vorgang jedes Mal ein bisschen anders an als beim letzten Mal und doch immer ähnlich. Die ersten Wochen, nachdem man sich neu verliebt hat, sind auch beim 10. Mal noch etwas Besonderes und Einzigartiges.

Ich vermisse dieses Gefühl. Das ist der Grund, warum ich weinen könnte. Es hat nichts mit den Personen an sich zutun, sondern mit dem, was ich einmal für sie gefühlt habe, wie es war, damals, in jenen ersten Wochen. Das alleine ist schon schwer zu erklären.

Obwohl ich froh bin, jeden Liebeskummer meines Lebens überstanden zu haben, wünscht sich ein Teil von mir, dass die eine oder andere Liebe es überlebt hätte.

In den letzten Tagen habe ich insbesondere oft an eine bestimmte Person gedacht - er ist nicht der gewesen, den ich als die Liebe meines Lebens bezeichnen würde, und auch nicht der Letzte, den ich geliebt habe, aber der, für den ich am intensivsten empfunden habe. Ein derartiges Feuer mit allen Höhen und Tiefen hat sowohl vor ihm als auch nach ihm niemand mehr in mir entfacht und das macht ihn bis jetzt einzigartig. Zudem war er der erste Mann, den ich nach meiner großen Liebe derart stark und derart anders geliebt habe, dass ich weder verglichen noch zurückgeblickt habe und einfach das Gefühl hatte, dass eine neue Ära begonnen hat.

Auf der anderen Seite habe ich wegen ihm auch viel intensiver gelitten als wegen irgendeinem anderen. Diese Liebe hat mich so unglaublich viel Kraft gekostet, dass ich gerade genug Energie hatte, um zu überleben, und anschließend vor den Trümmern meines Lebens stand. Ich glaube nicht, dass er weiß, um was er mich tatsächlich gebracht hat und welche unvorhergesehene Wendung mein Leben seinetwegen genommen hat, aber ich mache ihm heute auch keine Vorwürfe mehr deswegen. Mittlerweile sehe ich die Fehler bei uns beiden und ärgere mich über mich selber, dass ich jedes Mal abgeblockt habe, wenn er versucht hat auf mich zuzugehen. Andersrum war es natürlich genauso. Wir haben uns alle beide einfach unglaublich blöd angestellt und so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte. Im Nachhinein denke ich, dass es für jeden von uns so viele Chancen gegeben hat, die wir ungenutzt verstreichen lassen haben.

Ich habe dir damals nicht vertraut und war fest davon überzeugt, dafür meine Gründe zu haben. Du hast selbst gesagt, dass du mit Menschen spielst, und warst sogar noch stolz darauf, und ich wollte um nichts in der Welt eins deiner Spielzeuge sein. Dafür hab ich sogar den Preis gezahlt, meine Liebe zu verleugnen und jeden Versuch gewagt, sie auszurotten wie Unkraut. Aber ich habe nicht einen Schritt in die Richtung unternommen, sie funktionieren zu lassen. Ich hatte zuviel Angst. Ich werde nie erfahren, ob es hätte funktionieren können, wenn ich anders gehandelt hätte.

Verlieben, verloren,
vergessen, verzeihn,
verdammt, war ich glücklich!
Verdammt, bin ich frei!
Ich hatte doch alles, alles, was zählt
ohne dich leben, jetzt ist es zu spät

Im Grunde haben wir beide uns selber durch unser eigenes Verhalten viel mehr verletzt, als wir es jemals gegenseitig hätten tun können. Diese Einsicht kommt mir nicht zum ersten Mal. Warum tut sie gerade jetzt so weh und beschäftigt mich in letzter Zeit derart?

Weil ich mich zurücksehne nach den Gefühlen von damals. Ich bin in diesem Jahr nicht nur wahnsinnig unglücklich, sondern auch unglaublich glücklich gewesen. Ich sehne mich nach den Momenten, in denen das Herz die Kontrolle übernimmt, man wie auf Wolken schwebt und alles möglich erscheint.

Natürlich hatte ich dieses Gefühl auch nach dir, sogar ein einziges Mal wieder annähernd so stark wie bei dir. Warum denke ich trotzdem an dich statt an ihn? Weil die Sache mit ihm, obwohl sie noch nicht lange her ist, bereits jetzt viel abgeschlossener ist, als sie bei dir jemals sein wird. Wir haben alles besprochen, ich habe keine offenen Fragen mehr an ihn und ich weiß genau, was wann wo schief gelaufen ist und warum aus uns nicht mehr werden konnte. Mir ist klar, dass weder sein noch mein Verhalten fehlerfrei und perfekt waren, aber trotzdem keiner von uns beiden die Schuld daran trägt, dass es nicht funktioniert hat. Wir waren einfach nicht füreinander gemacht und das wusste ich eigentlich von Anfang an.

Aber du und ich, wir konnten nie offen miteinander reden, und wenn doch, waren wir uns nie sicher, nicht angelogen zu werden. Viele Fragen sind offen, und ich frage mich oft, was gewesen wäre, wenn ich mich in dieser oder jener Situation anders verhalten hätte. Doch selbst, wenn ich noch eine Möglichkeit hätte, mit dir zu sprechen - ich weiß genau, du gehst nicht ans Telefon, wenn du meine Nummer siehst, auch wenn ich nur vermuten kann, warum - würde das absolut nichts mehr ändern zwischen uns. Denn ich heule den Gefühlen hinterher, nicht dir. Und das ist eigentlich das Schlimmste an der ganzen Geschichte. Zu wissen, dass der Zug definitiv abgefahren ist. Ich liebe dich nicht mehr, und ich habe es schon nicht mehr getan, als ich dich das letzte Mal gesehen habe, auch wenn es mich selbst überrascht hat. Ich kann meine Fehler der Vergangenheit nie wieder gut machen, weil es keine Zukunft für uns gibt.

Dass ich gestern Nacht einen sehr emotionalen Traum von meiner großen Liebe hatte, bestätigt mich in meiner Einschätzung. Ich habe mich nach dem Aufwachen gefragt, warum ich so etwas von ihm träume, wo ich mir doch seit anderthalb Jahren endgültig sicher bin, über ihn hinweg zu sein. Meine Erklärung ist: Es ist völlig egal, von wem ich im Moment träume oder wem ich hinterhertrauere. Es geht dabei nicht um den Mann, sondern um die Gefühle, die ich mir zurücksehne. Ich möchte so gerne wieder jemanden kennenlernen, bei dem ich Herzklopfen und Schmetterlinge im Bauch habe, jemanden, der mir das Gefühl gibt, fliegen und auch wieder zu Boden stürzen zu können, jemanden, über den ich alles erfahren möchte, jemanden, mit dem ich pausenlos Nachrichten schreiben kann und trotzdem jedes Mal aufgeregt bin, jemanden, bei dem mein ganzer Körper kribbelt, wenn er mich nur flüchtig berührt, jemanden, der mich zu einer willenlosen Untertanin meines Herzens macht… und endlich mal jemanden, der all das auch erwidert. Ich weiß, dass es möglich ist, nicht nur in Büchern, sondern auch im wahren Leben.

Und so kommt es, dass ich unglücklich darüber bin, dass ich über jede verflossene Liebe hinweg bin, und dass ich kürzlich nachts jemanden anrufen wollte, dem ich nichts mehr zu sagen habe, und das nur aus schlechtem Gewissen darüber, dass er mir egal ist.

8.3.15 19:00, kommentieren

Neue Irrungen und Wirrungen

Dies könnte ein neuer "Irrungen und Wirrungen"-Eintrag sein.

Obwohl heute nicht "Throwbak-Thursday" ist, musste ich gerade an eine längst vergangene Geschichte denken und habe dazu einen alten Nachrichtenverlauf mit einer ehemaligen Freundin gelesen, in dem es um die Gefühle für meinen letzten richtigen Partner ging. Sie hat mir damals vorgeworfen, ich würde mich selbst belügen, und wenn das, was ich für ihn empfand, wirklich Liebe sei, dann müsste sie dafür erst einmal ein passendes Wort in ihrem Wortschatz finden, denn meine Gefühle für ihn seien meilenweit entfernt von dem, was sie Liebe nenne.

Damals habe ich mich von ihren Ausführungen ein wenig angegriffen und verletzt gefühlt, weil ich die Quintessenz ihrer Worte nicht verstand. Ich war wahrscheinlich zu nah am Geschehen, um scharf sehen zu können, und wir haben aneinander vorbeigeredet, weil ich meine Gedanken und Gefühle in ihrer Komplexität nicht angemessen ausdrücken konnte und mich so in Widersprüche verstrickt habe.

Heute denke ich mehr oder weniger genauso wie meine Freundin. Eigentlich habe ich auch schon damals so gedacht und gefühlt, jedoch war es mir nicht immer bewusst. Das, was ich für meinen Exfreund empfunden und in meinem Eintrag "Irrungen und Wirrungen" beschrieben habe, kann keine Liebe gewesen sein. Ich kann mir bis heute keine befriedigende Antwort auf die Frage geben, was genau das eigentlich für Gefühle waren. Vielleicht war es sogar Liebe, aber nicht die Art, die ich als "die richtige" ansehe? Eine ungesunde Art von Liebe, die die Schmetterlinge im Bauch und den Geschmack von Zuckerwatte auslässt und sich von Anfang an schlecht anfühlt? Oder fühlt sich so eine Freundschaft an, aus der man versucht mehr zu machen, weil man sich so sehr wünscht, dass man die Liebe gefunden hat?

Ich habe die Beziehung mit meinem Exfreund nicht geplant, man muss vielmehr sagen, dass ich mich in mein Schicksal gefügt habe, weil ich nicht länger verleugnen konnte, dass ich Gefühle für ihn hatte, und weil ich das Empfinden hatte, mit ihm weniger unglücklich zu sein als ohne ihn. Ja, so muss man es sagen… Ich habe mich mit den Gefühlen für ihn nie wirklich wohlgefühlt, aber sie waren zweifellos da und haben mich zu ihm hingezogen. Sicher hat auch der Umstand, dass ich endlich über meine hier ebenfalls schon beschriebene große Liebe hinwegkommen wollte, dazu beigetragen, dass ich diese Beziehung eingegangen bin. Aber die Gefühle, die ich für meinen Exfreund hatte, hatten nicht nur mit der Vorstellung meiner Freundin von Liebe, sondern auch mit meiner eigenen herzlich wenig gemein.

Lange Zeit nach der Trennung kam mir der Gedanke, dass ich - weil sich die Art der Zuneigung nicht so anfühlte, wie ich sie haben will - eigentlich nie gewollt habe, dass diese Beziehung funktioniert, mich offen gegen meine Gefühle gesträubt und immer wieder versucht habe, sie zu verleugnen - getreu dem Motto: "Ich könnte jederzeit gehen und er kann froh sein, dass er mich hat" - und dass eine Beziehung unter solchen Voraussetzungen von vornherein keine Chance hat, zu funktionieren. Ich selbst habe sie ihr verwehrt. Nach dieser Einsicht fing ich an, an mir selbst und meiner Einschätzung zu zweifeln. Ich dachte: Was, wenn es einfach eine andere Art von Liebe war, die ich noch nicht kannte - deswegen muss sie doch nicht gleich schlecht sein? Vielleicht hätte ich glücklich werden können, wenn ich mich darauf eingelassen hätte? Wie kann ich denn so anmaßend sein und behaupten, nur Liebe auf den ersten Blick sei das einzig Wahre?

Und ich schaute mich in meinem Umfeld um und verglich meine romantischen Vorstellungen mit der Realität. Dabei musste ich feststellen, dass bei kaum einer Partnerschaft in meinem Freundes- und Verwandtenkreis die Liebe auf den ersten Blick zugeschlagen hatte; häufig war sogar mindestens einer von beiden anfangs überhaupt nicht am anderen interessiert gewesen und die, bei denen es auf den ersten Blick gefunkt hatte, waren meistens nicht allzu lange zusammen geblieben.

Hier stellt sich dann allerdings auch die Frage, ob die Paare, die sich zu Beginn nicht füreinander interessiert haben oder wo einer den anderen erst überzeugen oder "erobern" musste, das verbindet, was ich mir unter dem Begriff "Liebe" vorstelle, oder ob die Welt vielleicht viel unromantischer ist, als ich vermutet hätte, und die meisten Menschen einfach nur eine Zweckbeziehung führen, um nicht allein zu sein oder was auch immer. Ich habe auch darüber nachgedacht, ob das vielleicht das einzig Wahre ist - jemanden zu haben, mit dem man harmoniert, um zusammen durch's Leben zu gehen, auch wenn das Kribbeln fehlt? Wenn es doch all die anderen glücklich macht? Vielleicht ist Liebe gar nicht der Grundstein solider Beziehungen? Aber wer sagt mir denn, dass all die Menschen in ihren soliden Beziehungen aktiv glücklich sind und sich nicht einfach nur mit ihrem Schicksal abgefunden haben?

Woher weiß man, was das Richtige für einen ist? Sind vielleicht auch Zweifel normal?

Ich für meinen Teil habe die Antwort gefunden. Wer den vorherigen Eintrag gelesen hat, der weiß, dass ich mich in einen Mann verliebt hatte (bei dem mir übrigens nie Zweifel über meine Gefühle oder das Richtig oder Falsch gekommen waren), bei dem ich absolut keine Chance hatte. Das zu akzeptieren, war schwer. Ich sagte zu mir: Du musst ihn endlich vergessen, sieh dich nach einem anderen Mann um… und so kam es, dass ich auf meiner Geburtstagsfeier, bei der mein Angebeteter auch anwesend war, mit einem anderen Mann flirtete und Arm in Arm mit diesem auf der Couch saß. Ich wollte es wirklich versuchen, doch ich hatte nur Augen für meinen kleinen Engel. Mir wurde klar, dass ich einem anderen Mann nicht mehr als Freundschaft geben könnte, solange die Gefühle für meinen Engel nicht abgeklungen waren, und das sagte ich dem anderen Mann auch. Er erwiderte, er wolle nur eine Freundschaft. Soweit, so gut…

Von da an gehörte häufig ein Abend am Wochenende ihm, wir sahen DVDs, redeten bis tief in die Nacht, verabredeten uns zum Schwimmen und schmiedeten Pläne, zusammen in den Urlaub zu fahren, ins Musical oder ins Kabarett zu gehen. Das Schöne war, dass wir - so dachte ich damals zumindest - absolut auf einer Wellenlänge waren, ich konnte über alles mit ihm reden, er brachte mich zum Lachen und bei ihm konnte ich mich entspannen. Ein echter Freund eben. Der beste Freund, wenn man das so sagen kann nach drei Monaten. Er war quasi mein engster Vertrauter. Ich wollte ihn nicht mehr missen in meinem Leben.

Trotz allem wurde ich den Verdacht nicht los, dass er mehr als Freundschaft von mir wollte, und mir fiel auf, dass er in ziemlich allen Punkten dem entsprach, wie ich mir den Mann zum gemeinsam Altwerden vorstellte… All die oben beschriebenen Gedanken rangen miteinander in meinem Kopf, und plötzlich wusste ich: Ich wollte mehr als Freundschaft. Aber es war wie bei meinem Exfreund - nicht wirklich Liebe, jedoch mehr als Freundschaft, irgendeine merkwürdige Art der Zuneigung…

Wir haben es versucht und hatten ein paar gute Momente, fühlten uns aber beide nicht richtig wohl. Letztendlich hat er es beendet und gab als Grund an, dass es einfach keinen Sinn mit uns habe. Obwohl es mir sehr wehtat, wusste ich genau, tief in mir drin, dass er vollkommen Recht hatte und es besser war, die Sache nicht unnötig in die Länge zu ziehen. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Ich wünschte, ich hätte es selbst gekonnt. Aber ich konnte zu dem Zeitpunkt nicht einmal benennen, was mich an der Beziehung gestört hat. Was hat gefehlt? Wir passten doch so gut zusammen, ich hätte mir nicht mehr wünschen können, dachte ich.

Nach ein paar Tagen ist mir klar geworden, was das fehlende Puzzleteil war: Das gewisse Etwas. Das Kribbeln. Die Assoziation mit allerlei Positivem, wenn ich an ihn denke (ich hätte ihn niemals "meinen Engel" oder ähnliches genannt). Das, was man nicht in Worte fassen kann. Ich hatte bei ihm viel, aber eine Beziehung lebt nicht davon, dass man objektiv zusammenpasst und besonders viele Traumfrau-/Traummanneigenschaften des anderen erfüllt, sondern einzig und allein von den Gefühlen, die man füreinander hat. Zufriedensein und Glücklichsein, das sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe.

Mir reicht Zufriedensein nicht, ich ziehe Glücklichsein vor.

Die ganze Geschichte mit meinem guten Freund war genauso unnötig wie die mit meinem Exfreund. Oder vielleicht war sie es auch nicht, weil ich jetzt genau weiß, dass ich nur auf mein Herz hören muss und nicht auf die Ratschläge anderer. Mein Herz konnte in beiden Fällen Richtig von Falsch unterscheiden. Wer dieses Urteil in Frage gestellt hat, war mein Verstand.

Das Schlimmste für mich ist die Tatsache, dass wir nun keine Freunde mehr sind. Er ist komplett aus meinem Leben verschwunden. Ich kann sein Verhalten nicht wirklich nachvollziehen und es verletzt mich sehr, dass ich schon wieder einen Menschen verloren habe, der mir nahestand, und alleine zurückgelassen wurde. Es hat manchmal den Anschein, als sei ich es einfach nicht wert, gemocht oder gar geliebt zu werden. Und langsam fange ich an, zu glauben, dass es ganz allein meine Schuld ist. Das Traurige daran ist nur, dass ich mich nicht ändern werde, weil ich nicht die Kraft und den Willen habe, mich zu verbiegen.

Du hast gesagt, ich schaff es nie ohne dich
Ich hab gehört, dass du das allen erzählst
Das find ich absolut lächerlich
Ich hab doch nie gesagt, dass du mir fehlst

Im letzten Jahr habe ich zuviele Freunde verloren - oder solche, die ich dafür gehalten habe. Die andere von den beiden Personen, die mich am meisten verletzt haben, ist ein Mädchen, das ich einst für meine beste Freundin gehalten habe. Sie hat vom einen auf den anderen Tag aufgehört mit mir zu sprechen und ignoriert mich, als hätten wir uns nie gekannt. Oder als hätte ich eine ansteckende Krankheit. Ich weiß bis heute nicht den Grund für ihren Verhaltensumschwung. Sie hat keine meiner Nachrichten und keine meiner Fragen beantwortet. Ich habe aufgegeben, um mich vor weiterer Kränkung und weiterem Schmerz zu schützen. Womit habe ich das verdient? Und warum kommt es immer von den Menschen, von denen man es am wenigsten erwartet? Es scheint, manche Lebewesen haben kein Herz…

Dann plötzlich streichelt sie mir im Vorbeigehen über den Rücken oder hält mir die Tür auf, nur um anschließend wieder durch mich durch zu gucken, als wäre ich Luft. Was soll ich davon halten?! Kann sie sich nicht für einen Weg entscheiden? Es tut nach all den Monaten immer noch weh genug, dass sie mich ignoriert, aber es würde leichter fallen, wenn sie mir die Tür vor der Nase zuschlagen würde, als wäre ich nicht da. Dann wüsste ich wenigstens genau, woran ich bin. Ein klärendes Gespräch wäre möglicherweise auch nicht verkehrt, aber ich werde sie nicht noch einmal darum bitten. Sie hat die Tür unserer Freundschaft zugeschlagen. Sie hat beschlossen, nicht mit mir zu reden. Und ich habe zuviel Angst, dass die Wunden wieder aufreißen und noch mehr schmerzen, wenn ich versuche mit ihr zu reden und sie nicht darauf eingeht.

So bin ich abgestumpft und achte darauf, die Menschen nicht zu nah an mich heranzulassen, um mein Herz zu schonen. Es hat genug durchgemacht in den letzten Monaten. Ein Gutes hat die Sache jedoch: Für den Mann, in den ich noch auf meiner Geburtstagsparty verliebt war, hege ich mittlerweile nur noch freundschaftliche Gefühle.

Es gibt momentan einen einzigen Mann, der mich interessiert. Ein Teil von mir möchte ihn unbedingt näher kennenlernen. Ein anderer Teil hat Angst vor einer Abfuhr. Fest steht für mich: Ich werde nicht aktiv werden, um mit ihm in Kontakt zu treten. Ich verlasse mich auf das Schicksal. Und mein Herz sagt: Der ist es nicht. Also warte ich weiter, bis ich das Richtige für mich finde...

Irgendwie fängt irgendwann

irgendwo die Zukunft an

ich warte nicht mehr lang
Liebe wird aus Mut gemacht
denk nicht lange nach
wir fahr'n auf Feuerrädern
Richtung Zukunft durch die Nacht

1 Kommentar 14.6.14 22:34, kommentieren

Nein, ich werde dir nichts sagen. Natürlich nicht.

Ich hätte nie gedacht, dass ich das jemals sagen würde - und schon gar nicht so schnell -, aber ich verstehe meinen ehemaligen besten Freund, und das sogar viel besser als mir lieb ist. Höchst wahrscheinlich resultierte mein früheres Unverständnis nur daraus, dass ich noch nie in einer derartigen Situation gewesen war.

Er hat über Jahre hinweg mehr als Freundschaft für mich empfunden und diese Tatsache nicht nur lange für sich behalten (was ich ihm nicht mal so übel genommen hätte), sondern - und das war das Unverzeihliche für mich - auch jedes Mal gelogen, wenn wir auf das Thema zu sprechen kamen. Ich habe mich unendlich verraten gefühlt, als er mir endlich gebeichtet hat, dass er mich immer noch liebt - mehr als nur "eine" Freundin.

Ich habe die Lüge als schlimmen Vertrauensbruch gesehen und konnte diese Handlung überhaupt nicht nachvollziehen. Auch habe ich ihm sehr nachgetragen, dass er mich so oft fallen lassen hat - in Form von komplettem Kontaktabbruch von heute auf morgen - und phasenweise sehr abweisend zu mir war, obwohl ich mir gar keiner richtigen Schuld bewusst war. Wir waren ja nur Freunde, und das wollte ich ihm glauben, deshalb habe ich seine Aussagen nie in Frage gestellt. Im Nachhinein denke ich, dass ich schon einige Male etwas geahnt habe. Aber natürlich war es leichter, sich damit nicht auseinanderzusetzen, vor allem, da er mir immer gesagt hat, was ich hören wollte: "Nein, wir sind nur Freunde. Ich bin drüber weg."

Wie konnte er nur so verlogen sein?!, habe ich mich damals immer wieder gefragt. Gerade bei allem, was wir geteilt haben. Und gerade darin liegt der Grund, das weiß ich nun. Als ich mit einem anderen Freund über die Geschichte sprach, sagte jener: "Verstehst du denn nicht, dass er dich nur belogen hat, weil er dich nicht verlieren wollte?" Nein, das habe ich nicht verstanden. Aber ich war auch noch nie in einer vergleichbaren Situation gewesen. Ich habe von den Männern, in die ich bis jetzt verliebt war, größtenteils Zurückweisungen erfahren. Niemals kam ich in die Situation, eine Freundschaft mit jemandem führen zu können, für den ich mehr empfunden habe als Sympathie.

Bis jetzt…

Manche Menschen sind wie Sonnenstrahlen im Leben. So kitschig es klingt, dieser Mann ist mir schon auf den allerersten Blick aufgefallen und hat mich fasziniert. Normalerweise verlieren Menschen einen Teil ihrer Anziehung für mich, wenn ich sie besser kennenlerne, und ich störe mich an ihren negativen Eigenschaften, aber je besser ich ihn kennenlerne, umso toller finde ich ihn. Seine Anwesenheit gleicht alles Schlechte in meinem Leben sofort aus, und selbst nach viereinhalb Monaten Verliebtsein hüpft mein Herz noch, wenn ich ihn sehe, und ich muss ständig grinsen wie ein kleines Mädchen, wenn er mich ansieht.

Lovin' every minute 'cause you make me feel so alive…

Er weiß, dass ich mir mehr erhofft habe als nur eine Freundschaft, und ich weiß, dass es nie mehr als das sein wird. Anfangs haben wir über die Situation gesprochen und beschlossen, eine Zeit lang Abstand zu halten, bis ich darüber hinweg bin und wir ganz normale Freunde sein können. Alleine schon das war neu für mich. Jemand, der mich menschlich so sehr mag, dass er auf eine Freundschaft mit mir wartet? Klingt wie aus einem kitschigen Roman statt aus dem echten Leben gegriffen.

Der Abstand tat mir gut, und ich war überzeugt, dass ich alles richtig mache. Die Lage war für beide von uns klar, wir hatten uns ausgesprochen und den Kontakt reduziert, um kein unnötiges Öl ins Feuer zu kippen. Aber erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt… Wir bekamen wieder mehr Kontakt und ich schaffte es nicht, den Abstand aufrechtzuerhalten. Wir reden auf einer Ebene, die man selten miteinander hat… Obwohl ich ihn schon einmal sehr enttäuscht habe, hat er wieder Vertrauen zu mir gefasst, und wir sprechen über wirklich tiefgehende Dinge. Ich habe den Eindruck, dass ihm der Kontakt mit mir gut tut… und deshalb möchte ich nicht nur, dass ich ihn nicht verliere, sondern auch, dass er mich nicht verliert. Sein Befinden ist mir dabei noch wichtiger als meins - aber ich bin an einem Punkt angelangt, an dem ich sowieso nicht zurückkönnte, selbst wenn ich mich dazu entschließen wollte.

Natürlich werden die Gefühle so nicht weniger - eher mehr. Und das bringt mich in ein Dilemma. Einerseits ist es so schön, mit ihm Zeit zu verbringen und ihn immer besser kennenzulernen, und andererseits tut es so weh, ihm so nah und doch noch distanziert zu sein, von ihm zu träumen und zu wissen, dass diese Vorstellungen niemals wahr werden… Ich bin mit der Situation völlig überfordert. Er weiß nicht, dass meine Gefühle stärker geworden sind - wobei ich denke, dass er es ebenso vermutet und nicht wahrhaben will wie ich damals bei meinem ehemaligen besten Freund. Wir haben seit über drei Monaten nicht mehr direkt darüber gesprochen, aber ich habe Angst davor, dass er mich eines Tages fragt, wie es mir mit der Situation geht. Ich will ihn nicht belügen, aber ich kann ihm nicht die Wahrheit sagen. Ich will ihn nicht verlieren, und ich will auch nicht, dass er sich unwohl fühlt.

Vor dreieinhalb Monaten waren wir uns einig, dass so eine "kleine Schwärmerei" (für die ich es damals halten wollte) ja im Nu vorbeigehen würde. Er sagte, damit könne er umgehen, aber wenn ich gesagt hätte, dass ich ihn lieben würde, hätte ihm das Angst gemacht. Wie sollte ich ihm also jemals die Wahrheit sagen? Mir bleibt gar nichts anderes übrig als zu lügen. Nein, es geht mir gut. Meine Gefühle bereiten mir keinen Kummer. Ich bin drüber weg, wir können Freunde sein.

Das Schlimme ist: Wir würden wirklich gut zusammenpassen. Wir denken oft sehr ähnlich, und es versetzt mir einen Stich mitten ins Herz, wenn ihm jemand wehtut oder es ihm aus anderen Gründen schlecht geht. Er ist so lieb zu mir und zeigt mir in kleinen Gesten, dass ich ihm anscheinend auch was bedeute, zumindest als Freundin… Klar frage ich mich manchmal auch, ob er mich nicht nur ausnutzt, weil ich gerade da bin. Ich weiß nicht, ob das eine berechtigte Angst ist oder eine eingeredete, weil ich so sehr an die Abweisung gewöhnt bin.

Trotz allem ist da immer noch der Gedanke, dass er ähnlich für mich fühlt wie ich für ihn - und irgendwann einsehen wird, dass ich die eine Frau für ihn bin. Egal, wie unrealistisch das ist - die Hoffnung stirbt zuletzt.

Call me a sinner, call me a saint
Tell me it's over, I'll still love you the same
Call me your favorite, call me the worst
Tell me it's over, I don't want you to hurt
It's all that I can say, so I'll be on my way

13.1.14 23:26, kommentieren

Dieser eine Mann

Man sagt, dass es für jede Frau diesen einen Mann in ihrem Leben gibt - der gar keiner näheren Beschreibung bedarf, weil sie schon nach diesem Halbsatz sofort an ihn denkt. Eine Frau, die nun nach diesem Anfang keinen bestimmten Mann im Kopf hat, hat ihn noch nicht gefunden und wird mich wahrscheinlich nicht verstehen.

Für mich kann es auch nach all den Jahren nur eine Person geben, an die ich dabei sofort denke. Ich habe diesen Mann getroffen, als ich 16 Jahre alt war, und mich viel zu hoffnungslos in ihn verliebt. Das, was sich zwischen uns abgespielt hat, verdient die Bezeichnung "Beziehung" nicht, dafür kannten wir uns zu wenig und hatten zu kurze Zeit Kontakt. Die Umstände waren ungünstig und mein unreifes Verhalten hat sein Übriges dazugetan. Er wollte nichts mehr mit mir zu tun haben. Heute verstehe ich ihn, damals überhaupt nicht. Es dauerte viel zu lange, bis ich ihn endlich loslassen konnte, und ich schäme mich sehr für die blinde, aufdringliche Art, mit der ich bis dahin versucht hatte, mich an ihn zu klammern.

Ich wusste damals schon ziemlich schnell, dass ich nie wieder so fühlen würde, und damit habe ich bis heute Recht behalten. Das, was ich für ihn empfunden habe, war viel mehr als Liebe - es ist kaum in Worte zu fassen, es war solch eine tiefe Verbundenheit, eine Seelenverwandtschaft, ich war mir sicher, mein Gegenstück gefunden zu haben. Man muss nicht besonders klug sein, um zu wissen, dass es ihm mit mir nicht so ging. Sicher steht fest, dass ich mich durch mein Verhalten selber bei ihm disqualifiziert habe, aber wenn ich die Eine für ihn gewesen wäre, dann hätte er sich wohl nicht abschrecken lassen und hätte irgendwann einmal wieder den Kontakt zu mir gesucht. Aber das hat er nicht und mir ist bewusst, was das heißt. Ich habe mich damit abgefunden, aber es trotzdem nie verstanden. Wie kann er der Eine, der Richtige für mich sein, wenn er nichts für mich fühlt? Wie kann so etwas einseitig sein? Es war ja keine einfache Liebe, es war dieses Zugehörigkeitsgefühl, als hätten sich zwei extra füreinander angefertigte Puzzleteile gefunden. Wenn er das nicht fühlt, dann kann es nicht wahr gewesen sein, dann können wir nicht füreinander bestimmt sein. Aber warum habe ich es dann mit solcher Sicherheit gespürt, mit der ich noch nie etwas anderes erfahren habe? Es hat keinen Sinn und keine Logik für mich, ich komme nicht dahinter. Was nützt es, wenn man die richtige Person getroffen hat, mit der man sein Leben verbringen will, wenn man genau weiß, dass man sie nie wieder sieht? Wie kann es dann noch richtig sein, wenn man nie zusammenfindet? Das hat für mich nichts mehr mit Schicksal zu tun, das ist einfach nur noch tragisch und grausam...

Ich hatte mich damit abgefunden, dass es so sein würde, und dass dieser Mann der Vergangenheit angehört. Sicher, er würde immer ein Teil von mir sein, aber eben einer, der weder der Gegenwart noch der Zukunft angehört. Ich habe nicht mehr gelitten wegen ihm und es tat nicht mehr weh, ihn nicht in meinem Leben zu haben. Ich konnte die Situation akzeptieren. Trotzdem habe ich etwa ein- bis zweimal im Jahr von ihm geträumt, was ich mir nie richtig erklären konnte. Aber ich wusste eben, dass er so tiefe Spuren in meinem Innern hinterlassen hatte, dass ich ihn niemals in meinem Leben vergessen werde - egal, wo er ist und was er tut und egal, wo ich bin und was ich tue.

Ich habe tatsächlich nie wieder so etwas empfunden wie damals für ihn, nicht einmal annähernd, aber das heißt nicht, dass ich nie wieder geliebt habe. Die Jahre sind verstrichen, mein Leben ist weitergegangen, mein Herz ist nicht mehr gebrochen und es kann wieder lieben, so sehr, dass ich die Hoffnung nie aufgegeben habe, mit einem anderen Mann glücklich zu werden. Und doch weiß ich: Angesichts dessen, was ich einmal gefühlt habe für ihn, kann jedes Gefühl für einen anderen Mann nur noch ein Kompromiss sein. Ich dachte, damit könne ich leben. Mir bleibt ja gar nichts anderes übrig, da mein Zug bei ihm ja definitiv abgefahren ist.

Vor Kurzem habe ich ihn in einem sozialen Netzwerk gefunden. Ich weiß selber nicht mal, warum ich ihn überhaupt gesucht habe; auch wenn ich mich noch oft gefragt habe, was aus ihm geworden ist, wollte ich ihn eigentlich in Ruhe lassen... Nachdem ich gesehen hatte, dass es ihm allem Anschein nach gut geht, war ich beruhigt und wollte die Sache wieder abhaken. Doch der Gedanke, ihn nicht kontaktiert zu haben, machte mich irgendwie unruhig, ich konnte damit nicht leben. Ich verstehe selber nicht, warum, er war in den letzten Jahren wirklich kein Thema mehr für mich... Vielleicht ist das auch nur ein Flashback, das alle zwei Jahre wiederkommt, aber ich denke in letzter Zeit wirklich viel zu oft an ihn. Es mag auch daran liegen, dass ich mir momentan so sehr eine ernste Beziehung wünsche, die genauso ist wie die, die ich mir damals mit ihm ausgemalt habe... Ich habe ihm also geschrieben und natürlich hat er mir nicht geantwortet. Er wird es auch nicht tun, das wusste ich vorher schon. Trotzdem verstehe ich nicht, warum mich die Angelegenheit plötzlich wieder derart beschäftigt und was das alles für einen Sinn haben mag. Mir war bewusst, dass er mir nicht egal ist, aber ich dachte, dass meine Gefühle für ihn nicht mehr über Sympathie hinausgehen würden. Warum wünsche ich mir denn dann so sehnlichst, dass er mir zurückschreibt? Ich hatte gedacht, ich sei endlich über ihn hinweg und das schon seit Langem... aber kommt man überhaupt jemals über diesen einen Mann hinweg oder wird diese Sehnsucht nach ihm immer bleiben?

Wen soll ich suchen,
was soll ich finden,
wer von euch hält mich ab?
Wen soll ich suchen,
wen soll lieben,
wenn ich dich nicht hab?

9.7.13 03:27, kommentieren