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Seegespenst (Heinrich Heine)

Ich aber lag am Rande des Schiffes,
Und schaute, träumenden Auges,
Hinab in das spiegelklare Wasser,
Und schaute tiefer und tiefer -
Bis tief, im Meeresgrunde,
Anfangs wie dämmernde Nebel,
Jedoch allmählich farbenbestimmter,
Kirchenkuppel und Türme sich zeigten,
Und endlich, sonnenklar, eine ganze Stadt,
Altertümlich niederländisch,
Und menschenbelebt.
Bedächtige Männer, schwarzbemäntelt,
Mit weißen Halskrausen und Ehrenketten
Und langen Degen und langen Gesichtern,
Schreiten, über den wimmelnden Marktplatz,
Nach dem treppenhohen Rathaus,
Wo steinerne Kaiserbilder
Wacht halten mit Zepter und Schwert.
Unferne, vor langen Häuserreihn,
Wo spiegelblanke Fenster
Und pyramidisch beschnittene Linden,
Wandeln seidenrauschende Jungfern,
Schlanke Leibchen, die Blumengesichter
Sittsam umschlossen von schwarzen Mützchen
Und hervorquellendem Goldhaar.
Bunte Gesellen, in spanischer Tracht,
Stolzieren vorüber und nicken.
Bejahrte Frauen,
In braunen, verschollnen Gewändern,
Gesangbuch und Rosenkranz in der Hand,
Eilen, trippelnden Schritts,
Nach dem großen Dome,
Getrieben von Glockengeläute
Und rauschendem Orgelton.
Mich selbst ergreift des fernen Klangs
Geheimnisvoller Schauer!
Unendliches Sehnen, tiefe Wehmut
Beschleicht mein Herz,
Mein kaum geheiltes Herz; -
Mir ist, als würden seine Wunden
Von lieben Lippen aufgeküßt,
Und täten wieder bluten -
Heiße, rote Tropfen,
Die lang und langsam niederfalln
Auf ein altes Haus, dort unten
In der tiefen Meerstadt,
Auf ein altes, hochgegiebeltes Haus,
Wo melancholisch einsam
Unten am Fenster ein Mädchen sitzt,
Den Kopf auf den Arm gelehnt,
Wie ein armes, vergessenes Kind -
Und ich kenne dich armes, vergessenes Kind!

So tief, meertief also
Verstecktest du dich vor mir,
Aus kindischer Laune,
Und konntest nicht mehr herauf,
Und saßest fremd unter fremden Leuten,
Jahrhundertelang,
Derweilen ich, die Seele voll Gram,
Auf der ganzen Erde dich suchte,
Und immer dich suchte,
Du Immergeliebte,
Du Längstverlorene,
Du Endlichgefundene -
Ich hab dich gefunden und schaue wieder
Dein süßes Gesicht,
Die klugen, treuen Augen,
Das liebe Lächeln -
Und nimmer will ich dich wieder verlassen,
Und ich komme hinab zu dir,
Und mit ausgebreiteten Armen
Stürz ich hinab an dein Herz -

Aber zur rechten Zeit noch
Ergriff mich beim Fuß der Kapitän,
Und zog mich vom Schiffsrand,
Und rief, ärgerlich lachend:
Doktor, sind Sie des Teufels?

21.7.17 02:55, kommentieren

Seegespenst (Heinrich Heine)

Ich aber lag am Rande des Schiffes,
Und schaute, träumenden Auges,
Hinab in das spiegelklare Wasser,
Und schaute tiefer und tiefer -
Bis tief, im Meeresgrunde,
Anfangs wie dämmernde Nebel,
Jedoch allmählich farbenbestimmter,
Kirchenkuppel und Türme sich zeigten,
Und endlich, sonnenklar, eine ganze Stadt,
Altertümlich niederländisch,
Und menschenbelebt.
Bedächtige Männer, schwarzbemäntelt,
Mit weißen Halskrausen und Ehrenketten
Und langen Degen und langen Gesichtern,
Schreiten, über den wimmelnden Marktplatz,
Nach dem treppenhohen Rathaus,
Wo steinerne Kaiserbilder
Wacht halten mit Zepter und Schwert.
Unferne, vor langen Häuserreihn,
Wo spiegelblanke Fenster
Und pyramidisch beschnittene Linden,
Wandeln seidenrauschende Jungfern,
Schlanke Leibchen, die Blumengesichter
Sittsam umschlossen von schwarzen Mützchen
Und hervorquellendem Goldhaar.
Bunte Gesellen, in spanischer Tracht,
Stolzieren vorüber und nicken.
Bejahrte Frauen,
In braunen, verschollnen Gewändern,
Gesangbuch und Rosenkranz in der Hand,
Eilen, trippelnden Schritts,
Nach dem großen Dome,
Getrieben von Glockengeläute
Und rauschendem Orgelton.
Mich selbst ergreift des fernen Klangs
Geheimnisvoller Schauer!
Unendliches Sehnen, tiefe Wehmut
Beschleicht mein Herz,
Mein kaum geheiltes Herz; -
Mir ist, als würden seine Wunden
Von lieben Lippen aufgeküßt,
Und täten wieder bluten -
Heiße, rote Tropfen,
Die lang und langsam niederfalln
Auf ein altes Haus, dort unten
In der tiefen Meerstadt,
Auf ein altes, hochgegiebeltes Haus,
Wo melancholisch einsam
Unten am Fenster ein Mädchen sitzt,
Den Kopf auf den Arm gelehnt,
Wie ein armes, vergessenes Kind -
Und ich kenne dich armes, vergessenes Kind!

So tief, meertief also
Verstecktest du dich vor mir,
Aus kindischer Laune,
Und konntest nicht mehr herauf,
Und saßest fremd unter fremden Leuten,
Jahrhundertelang,
Derweilen ich, die Seele voll Gram,
Auf der ganzen Erde dich suchte,
Und immer dich suchte,
Du Immergeliebte,
Du Längstverlorene,
Du Endlichgefundene -
Ich hab dich gefunden und schaue wieder
Dein süßes Gesicht,
Die klugen, treuen Augen,
Das liebe Lächeln -
Und nimmer will ich dich wieder verlassen,
Und ich komme hinab zu dir,
Und mit ausgebreiteten Armen
Stürz ich hinab an dein Herz -

Aber zur rechten Zeit noch
Ergriff mich beim Fuß der Kapitän,
Und zog mich vom Schiffsrand,
Und rief, ärgerlich lachend:
Doktor, sind Sie des Teufels?

21.7.17 02:54, kommentieren

Niemals leicht

Ich habe eigentlich gar keine Zeit, jetzt diesen Eintrag zu verfassen. Aber ich nehme sie mir, weil ich mich gerade eh schwer auf etwas anderes konzentrieren kann und die Gedanken festhalten möchte.

Ich habe mich vorhin gefragt, ob das Leben jemals wieder leicht wird. Für dich wahrscheinlich nicht. Aber das heißt auch, dass es das für mich nicht wird.

Natürlich ist für dich alles noch sehr viel schwerer als für mich. Wie schwer, kann ich nur erahnen. Aber das heißt eben nicht, dass es für mich nicht auch schwer wäre. Sogar jetzt immer noch, nach all der Zeit und obwohl wir schon seit einer Weile nicht mal mehr in Kontakt stehen.

Egal, wie sehr du versucht hast, mich aus allem rauszuhalten - es ist auch meine Geschichte. Du gehörst zu meinem Leben dazu und wirst es immer tun. Und sei es nur als das Foto von dem Mann, den ich nie vergessen konnte.

Was dir passiert ist, ist auch ein bisschen mir passiert. Die Last, die du zu tragen hast, trage auch ich ein bisschen - weil sie Einfluss darauf hat, dass wir nie richtig klären konnten, was zwischen uns war oder hätte sein können, und weil wir unsere Beziehung, als wir uns noch einig waren, nie richtig ausleben konnten.

Wenn ich über meine Liebe zu dir schreibe, kommt es mir immer so vor, als würde ich mich egoistisch anhören. Auch du hast mich einmal so genannt und ja, damals war ich es, weil ich nur meine Empfindungen gesehen habe und nicht deine. Und weil ich einfach so verletzt und so wütend war, dass du diesen Weg nicht mit mir gehen wolltest. Aber seitdem ist viel passiert, und vielleicht war es noch egoistischer von mir, dass ich dich zuletzt aus meinem Leben raushalten wollte.

Auch, wenn es nicht so ganz stimmt. Schließlich habe ich auf deine letzte Nachricht reagiert und von dir kam danach nichts mehr. Aber ich habe einige Tage darüber nachgedacht, ob ich antworte. Ich habe abgewogen. Und mein letzter Brief an dich war sehr reserviert, weil ich noch nicht genau wusste, was ich von deiner Nachricht halten sollte, und weil ich wieder verletzt und sauer war.

Du hättest dich verdammt nochmal früher bei mir melden sollen und nicht erst in so einer Situation. Du hättest mir nichts verheimlichen und mich nicht belügen sollen.

Und auch jetzt noch stelle ich mir die Frage, wie dumm ich eigentlich bin, dass ich dir jetzt doch wieder einen Brief geschrieben und meine Arme darin für dich ausgebreitet habe und ob du das überhaupt verdient hast oder ob ich mich nicht gerade wieder an jemanden verschenke, der nicht das geringste ehrliche Interesse an mir hat.

Keine Ahnung. Aber ich bin so. Ich muss es ausprobieren. Ich kann meine Liebe für dich nicht verleugnen und außerdem gilt ja: Im Zweifel für den Angeklagten. Es gibt wie gesagt zwei Interpretationsmöglichkeiten, und im Moment bevorzuge ich die, die besser zu meinem Bild von dir passt. Das kann sich aber auch schnell wieder ändern, solltest du mir Grund dazu geben.

Ich weiß, dass nichts mit dir leicht wird, egal, wie du dich entscheidest. Aber glaub mir, mein Leben wäre auch ohne, dass ich dich getroffen hätte, niemals leicht geworden. Weil ich vom Kompliziertheits-Level einfach auf einer Stufe mit dir stehe.

Das war keine Entscheidung zwischen dir und dem Leben, das ich möglicherweise ohne dich haben könnte. Sondern zwischen wer ich sein sollte und wer ich bin.

Ich will nicht mehr schauspielern. Ich will endlich wieder ich selbst sein. Und ich selbst bin nunmal diejenige, die dir einen Brief schreibt mit der Bitte, wieder Teil ihres Lebens zu werden - völlig egal, wie die Umstände stehen.

Ich bin selbst überrascht über diesen plötzlichen Umschwung. Aber es fühlt sich richtig an.

Du kannst weiter versuchen, mich aus allem rauszuhalten. Aber ich stecke schon mit drin seit dem Moment, in dem du mich das erste Mal angelächelt hast. Und durch jeden kleinen Moment, in dem du auf deine Gefühle gehört hast statt auf deinen Verstand.

Ich hoffe, es wird noch ein paar dieser Momente geben. Ich muss dich endlich wiedersehen. Vielleicht auch einfach nur, um mein Bild von dir mit der Realität zu vergleichen und einen lange gehegten Irrtum zu korrigieren. Aber daran glaube ich nicht.

Du bist einfach dieser eine Mensch für mich, und ich hoffe, dir eines Tages endlich offiziell schwören zu können: In guten wie in schlechten Zeiten.

19.7.17 16:42, kommentieren

Ungesagtes

Ich bin betrunken und kann an nichts anderes denken als an dich. Konnte ich die letzten Tage schon nicht. Seit ich von dir geträumt habe. Du warst im Traum ganz, ganz, ganz anders als in echt, nicht einmal deine Hautfarbe stimmte. Aber dennoch hat es mich total mitgenommen.

Und ich kann darüber nicht reden, nicht einmal jetzt. Nicht einmal mit ihr. Die einzigen, die es vielleicht verstanden hätten, sind gegangen. Beide auf ganz unterschiedliche Weise, aber doch für immer. Nein, wahrscheinlich hätte nur er es verstanden. Aber selbst er hätte es nicht gern gehört.

Und ich weiß ganz genau, was ich von den meisten zu hören bekommen würde, wenn ich jetzt darüber reden würde. Dasselbe, das ich selbst oft denke.

"Bist du etwa tatsächlich immer noch nicht darüber hinweg?"
"Das war eine Jugendliebe."
"Willst du nicht langsam mal erwachsen werden?"
"Was willst du denn von so einem?"
"Ihr habt doch eh keine Zukunft."

Rein rational betrachtet haben all diese Menschen sicherlich Recht. Aber Liebe ist nunmal nicht rational, ganz und gar nicht.

Die Wahrheit ist nunmal, dass ich immer noch hier sitze und nur an dich denke. Nach fast 11 Jahren.

Weißt du das überhaupt? Weißt du, wie tief du in mir drin bist? Ich glaube, du hast es mir nie geglaubt und wirst es auch in Zukunft nicht tun.

Ich habe ja auch lange genug versucht, meine Gefühle zu überspielen. So "normal" zu sein, wie alle mich gerne haben wollten. Den äußeren Schein zu wahren.

Ich wahre ihn auch jetzt noch. Aber glaub mir, tief in mir drin sieht es ganz anders aus.

It started all with a kiss
how did it end up like this?
It was only a kiss!
It was only a kiss!

Ist es denn eigentlich zu glauben, dass ich dich nie in echt geküsst habe? Nie wirklich berührt habe? Zumindest nicht deine Haut... Es kommt mir überhaupt nicht so vor. Aber vielleicht ist gerade deshalb meine Sehnsucht nach dir immer noch so groß.

Vorgestern, nach meinem Traum, habe ich deine letzten Nachrichten - zumindest die, zu denen ich noch Zugang habe -, noch mal gelesen. Auf den ersten Blick schien es mir ganz eindeutig, dass du mich nicht liebst - nicht mal ansatzweise. Dass ich für dich nur ein Zeitvertreib war.

Trotzdem kann ich an nichts anderes denken als an dich. Gestern nicht, heute nicht. Es wird irgendwie nicht weniger.

Grade habe ich deine alten Briefe rausgekramt. Was zur Hölle bin ich eigentlich für dich? Werde ich darauf jemals eine ehrliche Antwort erhalten?

Ich streichle schon wieder dein Foto und bin gerade so kurz davor, dir einen weiteren Brief zu schreiben mit nichts weiter, als dem Satz: "Ich scheiß' auf die beschissenen Umstände - ich will endlich wieder Teil deines Lebens sein!" Oder etwas melodramatischer: "Egal, unter welchen Umständen - ich würde immer Teil deines Lebens sein wollen."

Take your time
to trust in me
and you will find
infinity

Du hast mir damals nicht geglaubt. Ich weiß nicht, ob du es heute tun würdest. Ich weiß auch nicht, ob es überhaupt gut für einen von uns wäre, wenn du es tätest.

Für mich vielleicht schon deshalb nicht, weil ich immer noch nicht weiß, woran ich bei dir bin.

Warum bist du überhaupt so? Warum wehrst du mich ständig ab? Willst du das wirklich oder ist es nur dein Verstand, der dir sagt, dass ich ohne dich besser dran sei?

Aber vielleicht gehöre ich einfach viel mehr zu dir als zu dem Leben, das ich mir ausgemalt habe und das du dir für mich gewünscht hast. Vielleicht werde ich ohne dich einfach nie vollständig sein.

Oh tonight
you killed me with your smile
so beautiful and wild
so beautiful and wild

Dein Lächeln hat mich einfach nie mehr losgelassen. Ich würde es so gern nochmal sehen.

Ich trage mich ernsthaft mit dem Gedanken, dir wieder zu schreiben. Du gehst ja doch nie aus meinem Kopf und vielleicht ist es an der Zeit, dir das endlich einmal zu sagen.

Habe ich dir damals jemals gesagt, wie sehr ich dich liebe?

Ich glaube nicht. Jeder andere hat es gewusst, sogar meine Friseuse, aber du nicht.

Vielleicht mache ich mich lächerlich damit. Aber das ist eben diese krasse Ungewissheit, in der ich lebe: Diese riesige Lücke zwischen du hast nur mit mir gespielt und du hast mich nur zu meinem Besten verlassen. Wenn es Letzteres wäre, könnte ich nie damit leben. Das ist einfach nicht meine Vorstellung von Liebe. Wenn du mich so liebtest wie ich dich, dann würde ich bis ans Ende an deiner Seite stehen und mit dir kämpfen wollen, verdammt! Du allein bist nunmal die Liebe meines Lebens und wirst es bleiben.

Die goldene Kette nimm dir
bring mich zu meinem Liebsten dafür

Und wenn ich mich hier wirklich gerade lächerlich mache, wie eine unreife, spätpubertierende, naive Göre? Dann brauche ich wohl wirklich noch einmal eine herbe Abfuhr von dir, damit ich wieder so über dich und meine Zukunft denken kann wie vor deiner letzten Nachricht.

Ehrlich gesagt war es nicht fair von dir, dich noch einmal zu melden und mich danach wieder zu ignorieren. Aber wer weiß, vielleicht hat mein letzter Brief dich ja auch nie erreicht? Ich habe ihn schließlich über Umwege an dich geschickt.

Ich glaube, ich muss es herausfinden, sonst finde ich nie meinen Frieden. Und mir ist vollkommen klar, dass das im wahrsten Sinne des Wortes eine "Schnapsidee" ist... aber manchmal muss man einfach seinem Herzen folgen.

When the sun shines, we'll shine together
Told you I'll be here forever
Said I'll always be your friend
Took an oath, I'ma stick it out to the end
Now that it's raining more than ever
Know that we'll still have each other
You can stand under my umbrella

Gestern habe ich mir alle Bilder noch einmal angesehen, die ich von dir habe. Es sind nur sechs. Das ist nicht genug dafür, dass ich noch mein ganzes Leben lang an dich denken muss. Wenn du noch alle Bilder besitzt, die ich dir jemals geschickt habe, müssten das sieben sein. Aber ich bin mir nicht mal sicher, ob du auch nur ein einziges davon noch besitzt. Wie dem auch sei - es ist nicht genug. Wir hatten einfach nicht genug Zeit zusammen, nicht genug voneinander. Gibt es nicht noch eine Chance - wirklich nicht, ganz sicher nicht? Vielleicht ist es an der Zeit, es herauszufinden. Eigentlich wollte ich noch warten - aber nun habe ich schon begonnen, dir einen Brief zu schreiben.

Soll ich es tun? Soll ich ihn abschicken?

Dein letzter Brief an mich ist über 8 Jahre her. Zu dem Zeitpunkt hatten wir schon seit fast 2 Jahren keinen regelmäßigen Kontakt mehr. Und trotzdem, wenn ich die alten Briefe in der Hand halte, schmerzt es noch immer, dass keine neuen mehr dazukommen.

Ich wär so gern wieder Teil deines Lebens. Ganz egal, was ich mir damit aufhalsen würde - wenn nur du wieder ein Teil meines Lebens wärst. Das wär es alles wert.

Ich würde sterben für dich
wenn es soweit ist
Ich würde sterben für dich
egal, wo du bist!

Es ist immer noch wahr. Du bist immer noch mein Leben, das, was sich nicht in Worte fassen lässt. Es ist noch immer dein Gesicht, das ich suche in jedem Fremden...

Für immer.

17.7.17 23:21, kommentieren

When I'm wiser and I'm older

"Neuer Eintrag". Schon wieder. Ja. Aber ich muss diese Gedanken loswerden.

Ich habe vorhin eins von den neueren "deinen" Liedern zufällig im Radio gehört.

So wake me up when it's all over,
when I'm wiser and I'm older!
All this time I've been finding myself
and I
didn't know I was lost

Ich musste zwangsläufig daran denken, mit welcher verzweifelten Sehnsucht ich das Lied damals gehört hab. Verzweiflung und Sehnsucht wären auch auf die heutige Situation durchaus passend, aber damals hätte ich nie geahnt, in welchem Kontext sie stehen würden.

Ich bin immer davon ausgegangen, dass du mich nicht willst. Ich wäre nie im Traum auf den Gedanken gekommen, dass ich dich nicht will.

Damals habe ich es noch nicht gewusst. Oder bloß nicht wissen wollen? Ich dachte wirklich, du würdest deine zweite Chance nutzen. Ich dachte wirklich, du wärst erwachsen geworden. Würdest etwas aus deinem Leben machen. Wärst glücklich. Fotos können so gut täuschen...

Ich hab gedacht, ich hätte bloß keinen Platz in deinem Leben. Du würdest mir nie verzeihen, wie unreif ich mich verhalten habe. Weil du immer der Erwachsenere warst.

Mein Gedanke von heute: Warst du das? In Gesprächen vielleicht. Aber nicht im wahren Leben.

Das war, bevor ich in deine Stadt gezogen bin. Als ich gerade hier angekommen war, lief das Lied im Radio rauf und runter und streute mir Salz in die Wunde. Die Wunde, dass ich dich verloren habe, reißt immer wieder auf. Ich stellte mir dich vor, wie du glücklich mit deiner Familie und deinen Freunden leben würdest und wahrscheinlich längst ein neues Mädchen hättest. Und ich war der Meinung, ich sei endlich erwachsen geworden und würde etwas aus meinem Leben machen und es sei zu spät für dich. Damals dachte ich, ich würde nie wieder von dir hören. Du würdest mir nie auf meine Nachricht antworten. Und als du es dann getan hast, kamst du zunächst ziemlich negativ rüber. Wie jemand, der Frauen nicht respektiert und nur etwas Unverbindliches sucht. Ich wollte nicht glauben, dass du so bist. Und dann hast du kurz etwas von der Verletzlichkeit unter deinem Panzer hervorgucken lassen...

Wie schwer die Zeiten für dich waren. Dass du mir nicht geglaubt hast, dass ich dir nie davongelaufen wäre. Dass du meintest, ich hätte etwas Besseres verdient gehabt.

Ich weiß bis heute nicht, wie ernst du diese Zeilen gemeint hast. Sie stehen in krassem Gegensatz zu allem, was du in den Tagen davor und danach geschrieben hast.

Und als du dem Ganzen dann noch die Krone der Dreistigkeit aufgesetzt hast, war ich mir sicher, dass du keinen meiner weiteren Gedanken wert seist und ich endgültig mit dir abgeschlossen hätte.

In dem Glauben habe ich fast drei Jahre lang gelebt. Ich hätte nie gedacht, dass du dich nochmal melden würdest, und schon gar nicht, dass es mich wieder so aus der Ruhe bringen würde.

Ich war nach dir verliebt, sogar so sehr, dass ich fast daran glaubte, dass er deinen Platz an der Spitze meiner Charts einnehmen könnte. Oh, boy. Ich hatte nicht die geringste Ahnung.

Ich hätte einfach nie in die Richtung gedacht, in die sich alles entwickelt hat. Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass dein Leben so weitergegangen ist - und dass du es damals schon gewusst hast.

Du kamst mir merkwürdig vor, damals vor fast genau vier Jahren, als wir geschrieben haben. Etwas passte nicht zum Rest. Ich konnte nur nicht sagen, was es war. Damals konnte ich es auch noch nicht wissen.

Was mich an deiner Nachricht aus dem letzten Jahr so aus der Bahn geworfen hat, war nicht die Nachricht an sich, auch wenn ich überhaupt nicht mit ihr gerechnet hatte. Es ging primär nicht um die Tatsache, dass du dich gemeldet hast. Sondern darum, in welchen Kontext sie die Vergangenheit rückt.

Durch diese Nachricht besteht die Interpretationsmöglichkeit, dass du aus Gründen, die nichts mit mir zutun hatten, mich abgewehrt hast. Dass ich einfach zu spät gekommen war und du mich aus dem Ärger raushalten wolltest, weil du genau wusstest, was dir blüht. Und dass du nicht wolltest, dass ich so leben muss.

Ich weiß nicht, ob es so war. Ich weiß ganz genau, wie naiv es klingt, dass ich das überhaupt in Betracht ziehe. Aber drei Dinge:

Die Zeilen, in denen du schriebst, dass es für dich schwerer gewesen wäre, mit mir zusammenzubleiben, weil es dir zu wehgetan hätte, und dass ich etwas anderes verdient gehabt hätte,

deine unglaublich schlechte Ausrede, mit der du mich wieder auf Distanz gebracht hast vor vier Jahren, und dass du mich nicht blockiert hattest, wie ich all die Jahre geglaubt habe, sondern dein Profil gelöscht hast,

die Tatsache, dass du mir nach all der Zeit und als es dir schlecht ging und du lange mit dir gerungen hast, trotzdem wieder geschrieben hast und deine Nachricht mit den Worten "meine Liebste" endete.

Diese drei Begebenheiten gehen mir nicht aus dem Kopf, auch wenn auf meinen letzten Kontaktversuch hin keine Reaktion mehr von dir kam. Aber auch das wäre zu erklären mit dieser unglaublichen Interpretationsmöglichkeit - und mit ganz anderen Gründen.

Ich vermiss dich so sehr, glaub mir. Ich würd dich jetzt so gerne halten.

Dass ich dich trotzdem nicht will, hängt mit der Art, wie du mit dir selbst und deinem Leben umgehst, zusammen. Du benimmst dich so unreif, dass ich schreien könnte! Und du wirst auch nicht damit aufhören. Ganz ehrlich, wer begeht denn dieselben Fehler alle paar Jahre wieder in seinem Leben?

Trotzdem ist es natürlich nicht wahr, dass ich dich nicht mehr will. Sagt zumindest mein Herz. Neben dir einzuschlafen und neben dir aufzuwachen wär noch immer das Schönste für mich.

Aber du passt nicht in das Leben, das ich will. Du bist einfach nicht erwachsen geworden, und man muss doch irgendwann erwachsen werden.

Ich habe auch nicht immer Lust auf alles, was dazugehört. Ich würde viel lieber morgens liegen bleiben, als zur Arbeit zu gehen. Den ganzen Tag Bücher lesen, Serien gucken, ungesundes Zeug essen, in der Sonne sitzen, das Geld lieber für spaßige Dinge ausgeben als für Verpflichtungen... aber ich tu's nicht, weil ich weiß, dass ich mir selbst nur ins eigene Fleisch schneide, wenn ich so handle. Wie sollte ich jemals ein Haus finanzieren und Kinder ernähren können, wenn ich mich so verhalten würde?

Und das ist eben die traurige Wahrheit: Du wirst es nie können. Bei deinem Lebenswandel wärst du ein furchtbarer Vater. Einer, der nie da ist. Und kein Ehemann, mit dem man ein gemeinsames Leben hat.

Es tut mir Leid, aber ich kann es nicht. Ich könnte kämpfen, mit dir zusammen - aber die Option besteht ja nicht. Erstens, weil du sowieso nicht kämpfst, und zweitens nicht mit mir.

Aber so wie du bist, so will ich dich nicht. Nicht für eine gemeinsame Zukunft. Ich will auch keine Menschen verbiegen. Entweder änderst du dich aus eigenem Antrieb oder gar nicht.

Und es ist so schade, weil ich immer noch glaube, dass soviel mehr aus dir hätte werden können. Dass du eigentlich gar nicht so bist. Aber wer weiß, vielleicht täusche ich mich. Vielleicht sehe ich in dir nur das, was ich in dir sehen will. Den Mann, nach dem ich mich sehne. Vielleicht sind meine Gefühle nicht mal echt. Vielleicht wünsche ich mir nur so sehr, Teil einer Geschichte wie denen aus meinen geliebten Büchern zu sein.

Vielleicht sind wir wie Scarlett und Ashley oder wie George und Gauvain. Füreinander bestimmt, aber nicht dafür gemacht, zusammen zu sein.

3.7.17 21:21, kommentieren

Heimweh nach einem Menschen

Ich weiß nicht, warum ich gerade in letzter Zeit wieder so oft an dich denken muss. Vielleicht, weil ich vor Kurzem Trauzeugin bei einer Hochzeit war und dabei immer wieder meine eigene Hochzeit vor Augen hatte? Und weil ich mir dabei niemand anderen als Bräutigam vorstellen konnte als dich? Das ist noch immer mein größter Traum.

Der Schmerz sticht noch immer tief, denn ich weiß schließlich ganz genau, dass er sich nie erfüllen wird. Es klingt hart und kalt, aber es ist wahr: Du könntest mir nie das Leben bieten, das ich brauche. Da geht es nicht einmal um Materielles. Ich bemühe mich immer noch, mein Leben so auszurichten, dass du nichts dazutun müsstest als deine Anwesenheit, dass ich dir alles geben und für dich sorgen könnte. Es gibt nichts, was ich nicht für dich sein wollte. Aber trotzdem bin ich mir vollkommen im Klaren darüber, dass wir dennoch nie eine gemeinsame Zukunft haben werden. Es würde einfach nicht funktionieren. Du bist nicht dazu geschaffen, ein bürgerliches Leben zu führen, und ich könnte deine Art zu leben nicht aushalten. Da ist einfach keine gemeinsame Perspektive.

Und ich hätte dir so gern geholfen. Wirklich. Aber du lässt es nie zu, das habe ich mittlerweile begriffen. Du bist erwachsen. Ich bin es auch - und daher weiß ich, dass du dich nicht mehr ändern wirst und dass Liebe nicht genug ist. Manche Differenzen sind unüberbrückbar, egal, wie sehr man es versucht.

Ich würde so gern etwas anderes sagen können. Aber das wäre realitätsfremd. Nach so vielen Jahren trägt man keine rosarote Brille mehr, wenn man auf den anderen schaut.

Diese Hoffnungslosigkeit ändert dennoch nichts an meinen Gefühlen für dich. Nichts, aber auch gar nichts. Die nüchterne Betrachtungsweise meines Verstandes ändert auch nichts daran, dass mein Herz noch immer aufs schmerzlichste hofft.

Du hast mich "meine Liebste" genannt. Obwohl ich an der Ernsthaftigkeit dieser Worte zweifle, gehen sie mir nicht mehr aus dem Kopf. Was, wenn du es doch tatsächlich so gemeint hast? Was, wenn du tatsächlich dasselbe fühlst, aber viel besser dagegen ankämpfen kannst als ich, weil du von vornherein wusstest, was ich erst vor einem Jahr erkannt habe? Und was, wenn wir beide mit dieser Einschätzung falsch liegen und uns selbst unsere Chance verbauen?

There goes my hero,
watch him as he goes...

Ich versuche, mir diese Gedanken nicht zu genehmigen, aber es gelingt mir nicht zu hundert Prozent.

So oder so steht jedoch fest, dass meine Sehnsucht nach dir nicht kleiner wird. Sie ist so überwältigend, dass ich sie nicht beschreiben kann. Schon fast ein Verlangen. Wie Heimweh, nur nach einem Menschen.

I can't find the words to say
They're overdue
I've traveled half the world to say
I belong to you

Du fehlst mir so sehr und es fällt mir so verdammt schwer, dieses Gefühl zu ertragen.

Ich war auf den Gipfeln hoher Berge,
sah von oben auf das Land;
ich kam von der Mündung an die Quelle,
schlief auf Seide und auf Sand

Doch egal auf welchen Wegen,
wem immer ich begegne:
Es ist keiner wie du!
Egal, wohin ich gehe,
wen immer ich dort sehe:
Es ist keiner wie du!

Zu der Playlist mit Liedern, die mich an dich erinnern, kommen heute noch neue dazu, und die von damals kann ich kaum noch hören, weil sie mich zu sehr daran erinnern, wie ich gelitten habe, damals, bei jenem ersten Liebeskummer, den ich deinetwegen hatte.

Doch auch, wenn ich älter geworden bin und ruhiger: Es tut nicht weniger weh. Nur anders.

Und nur sie weiß: Es ist nicht, wie es scheint,
Oh, sie weint, oh, sie weint, sie weint!
Aber nur, wenn sie alleine ist...
Denn sie ist, denn sie ist die Eine, die Eine,
die immer lacht, die immer lacht, immer lacht, immer lacht

Ich hab dich vor 10 Jahren geliebt und ich tu's immer noch. Bloß stiller. Ich sprech nicht mehr drüber, nicht einmal mit meiner besten Freundin. Ich mach's mit mir selbst aus, wälze mich allein nachts in meinem Bett hin und her und schreibe meine Empfindungen auf.

Normalerweise versuche ich, nicht zu oft an dich zu denken, weil ich weiß, dass die Hoffnungslosigkeit mir zu schwer zu schaffen macht. Aber in letzter Zeit lasse ich die Gedanken und Gefühle zu. Ich höre fast jeden Tag ein paar Lieder deiner Playlist und gestatte mir Vorstellungen von unserem gemeinsamen Alltag, wenn du bei mir wärst.

Ich will nur,
dass du weißt:
Ich hab dich immer geliebt
und dass es
am Ende
auch keinen anderen gibt

Ich kann und werde dich nie aufgeben. Ich hab dich nur losgelassen.

10.6.17 01:15, kommentieren

Worte für das Unbegreifliche finden

Ich wusste schon lange, dass 2016 ein außergewöhnliches Unglücksjahr war. Dass es zusätzlich zu den bereits bekannten Tragödien im öffentlichen und privaten Raum noch eine weitere in meinem eigenen Leben geben würde, hatte ich seit einigen Wochen befürchtet. Seit heute habe ich Gewissheit, dass dieses Jahr wirklich das Fieseste und Ungerechteste war, was der Menschheit seit Langem widerfahren ist.

Das Letzte, was ich dir geschickt habe und du gelesen hast, war ein Meme mit den Worten "Druckt jemand bereits 'I survived the year 2016'-T-Shirts? Oder wartet ihr lieber noch ab?". Bevor ich auf "senden" gedrückt habe, hatte ich kurz eine böse Vorahnung - es war ein sehr mieses Jahr für dich gewesen und es war noch nicht vorbei. Es hätte perfekt in deine Pechsträhne gepasst, dass nicht einmal dieser T-Shirt-Spruch auf dich zutreffen sollte. Aber ich hätte nie gedacht, dass du tatsächlich soviel Pech haben würdest. Das könnte einfach nicht sein. Ich habe mir so sehr gewünscht, dass dieses verdammte Jahr in ein paar Tagen endlich vorbei sein würde und dir das nächste all das wiedergeben würde, was du 2016 verloren hattest. Dass du deine Ziele erreichen und wieder glücklich sein könntest. Ich hätte niemals ernsthaft geglaubt, dass dies meine letzte Nachricht an dich sein würde, die dich erreichen würde.

Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll, wenn ich daran denke, dass schon am nächsten Tag alles vorbei war für dich. Irgendwie passt es sogar zu deinem tiefschwarzen Humor, ausgerechnet nach so einer Nachricht von mir zu sterben. Ob du daran gedacht hast, als du gemerkt hast, dass es zu Ende ging? Oder hast du es nicht mehr realisiert - wurdest du ohnmächtig, bevor dir klar wurde, was geschieht? Was ich über deine Todesumstände gehört habe, hört sich grausam und qualvoll an - aber ich weiß, dass deine Schmerzgrenze eine wesentlich höhere war als bei den meisten anderen Menschen. Du warst derjenige, der den Notarzt erst gerufen hat, wenn er sichergehen konnte, die nächste Zeit auf der Intensivstation zu verbringen. Die letzten zwei Male bist du dem Tod von der Schippe gesprungen und ich hab immer erst hinterher davon erfahren. Ich war immer besorgt und gleichzeitig erleichtert - die Gefahr war ja jedes Mal schon überstanden, als du mir davon erzähltest, und ich war so froh, dass du immer wieder diese gehörige Portion Glück im Unglück hattest. Ich habe nicht ernsthaft geglaubt, dass ich mich so bald mit einer anderen Wahrheit würde auseinandersetzen müssen.

Doch diesmal war irgendetwas anders. Als ich dich das erste Mal nicht erreichen konnte, hat es sich anders angefühlt als die letzten Male. Ich bin an Neujahr einen Umweg nach Hause gefahren, um zu sehen, ob bei dir alles in Ordnung ist. Eine kurze Zeitlang konnte ich mich wirklich der trügerischen Hoffnung hingeben, dass du mir die Tür öffnen würdest und wir einen Tee zusammen trinken würden, bevor ich weiterfahren müsste. Doch eigentlich habe ich gespürt, dass das nicht passieren würde. Eine Spiegelung hat mich getäuscht, als ich auf der Suche nach einem Parkplatz an deinem Haus vorbeigefahren bin. Deine Wohnzimmerfenster schienen hell erleuchtet und strahlten Wärme aus. Ich dachte daran, wie erleichtert wir uns gleich in die Arme fallen würden, wenn ich bei dir geklingelt hätte. Wie froh ich sein würde, dich gesund und munter anzutreffen, und dass du mir erzählen würdest, was dich so dermaßen auf Trab gehalten hatte, dass ich dich so lange nicht erreichen konnte.

Als ich mein Auto schließlich abgestellt hatte und mich deiner Wohnung näherte, war alles stockdunkel. Ich wollte es nicht glauben. Dann sah ich es: Die Beleuchtung des gegenüberliegenden Gebäudes war so hell, dass es von der Straße aus betrachtet aus einem bestimmten Winkel so aussah, als käme das Licht aus deinem Wohnzimmer. Du hast die Lampen nie angehabt an diesem Tag. Auch nicht in den Wochen davor.

Ich habe trotzdem geklingelt und mir eingeredet, dass du dich vielleicht nur schlafen gelegt hättest - ein sinnloses, verzweifeltes Unterfangen, kenne ich dich doch gut genug, um zu wissen, dass dich nicht einmal ein Gewitter aufwecken kann. Dein Name stand noch am Klingelschild. Als ich dir einen Zettel schreiben wollte, konnte ich deinen Briefkasten im Dunkeln nicht finden. Ich legte meine Nachricht - auf einen Kassenbon mit Kajal geschrieben, weil ich weder Kuli noch Terminplaner auf die Schnelle finden konnte - unter die Fußmatte und hoffte, dass sie irgendjemand lesen würde, der mir Auskunft über dich geben könnte. Die ganze Szene vor deinem Haus hatte so etwas Surreales, Unheimliches. Du warst überhaupt nicht da.

Noch einmal versuchte ich, dich zu Hause anzurufen. Etwas war neu. Dein Telefon war jetzt nicht mehr nur vorübergehend nicht zu erreichen. Es war abgeschaltet.

Ich war beunruhigter als zuvor, versuchte mich aber mit dem Gedanken zu trösten, dass du "nur" im Krankenhaus wärst und ich in einem Monat von dir hören würde, was passiert war. Ich machte mir allerdings auch Gedanken über die Alternative. Würde ich überhaupt jemals erfahren, wenn dir etwas zugestoßen wäre? Wir hatten keine gemeinsamen Freunde und deine Familie würde mich mit Sicherheit nicht kontaktieren. Andersrum genauso - allein schon aus Angst vor der Peinlichkeit, was wäre, falls doch nichts passiert wäre und du dir nur, wie schon zuvor des Öfteren geschehen, eine Auszeit genommen hättest.

Einen Gedanken hatte ich jedoch. Es gab eine Person in deiner Familie, der ich traute, weil du es tatst, und bei der ich gleichermaßen auch nichts zu verlieren hatte, weil ich sie nicht kannte. Ich schrieb ihr am 3. Januar eine Nachricht - aber da wusste ich es bereits. Ich hatte zwei Fotos auf ihrem Profil gesehen, die eindeutig auf einen Todesfall schließen ließen. Obwohl es sich auch auf jeden anderen Menschen in ihrem Umfeld hätte beziehen können, wusste ich, dass es um dich ging.

Danach lebte ich in einem Zustand, der mich an Schrödingers Katze erinnert: Ich wusste von deinem Tod und wusste es gleichermaßen nicht. Ich ging davon aus, doch ich hatte keine Bestätigung und hoffte daher immer noch, dass es nicht so wäre. Bis vor sechs Stunden, als ich endlich Antworten auf meine Fragen erhielt.

Auch, wenn diese Information eine der fiesesten war, die ich jemals erfahren musste, und ich mir so viel anderes für dich gewünscht hätte - vor allem einen anderen Tod! -, bin ich dennoch erleichtert und froh, dass ich es nun weiß. Die Ungewissheit war schlimmer zu ertragen als diese unfaire Wahrheit.

Ich schwanke noch stark in meinen Gefühlen. Die Trauer hat sich bis jetzt nur ein paarmal kurz angedeutet, doch ich bin sicher, sie wird noch mit mehr Gewalt zuschlagen in den nächsten Tagen. Andererseits ist es etwas leichter für mich zu akzeptieren, weil du nicht meiner Generation angehörst. Du warst zu jung zum Sterben, aber du hast gelebt. Du hättest noch Dinge vor dir gehabt, aber nicht mehr ein ganzes Leben. Du durftest so viele Erfahrungen machen und in vollen Zügen genießen und das hast du auch. Du hast immer getan, was du nicht lassen konntest. Ich weiß, du hast nichts ausgelassen, was du tun wolltest, und nichts bereut.

Aber andererseits verpasst du doch so viel. Wir wollten immer zu einem Fußballspiel unseres gemeinsamen Lieblingsvereins ins Stadion gehen. Du warst neugierig auf das Pastagericht, das ich so oft esse und nie geschafft habe, für dich zu kochen. Ich hingegen habe das Rezept, das du mir mal gezeigt hast, vergessen und wollte dich immer mal wieder danach fragen. Du wolltest das Erbe deiner Mutter verprassen und ich weiß, du hättest deinen Spaß damit gehabt und war schon ganz gespannt darauf, welcher Sportwagen es werden würde. Nun bist du vor ihr gegangen. Ich habe dich immer als meinen Trauzeugen gesehen und kann mir in diesem Amt wirklich keinen anderen vorstellen.

Du bist die erste Person, die stirbt, von denen, die mir wirklich nahestanden, über Jahre hinweg, von der Familie, die man Freunde nennt. Ich weiß einfach nicht, wie das ist. Ich habe gehofft, ich hätte noch lange Zeit, um mir zu überlegen, wie ich damit umgehen muss.

Wir haben schon einmal darüber gesprochen. Du hast mir gesagt, du möchtest vor mir gehen. Ich hatte Angst davor, in einer Welt zu leben, in der von dir nur Erinnerungen bleiben. Sie käme mir so leer vor. Du hast mir versprochen, nach mir zu suchen im nächsten Leben. Hältst du dein Versprechen ein? Oder geht das gar nicht, weil es gar keine Wiedergeburt gibt? Verschwindet man einfach - oder sitzt du gerade zusammen mit deiner Frau auf einer Wolke und lächelst? Sollte es wirklich Himmel und Hölle geben, so bin ich mir sehr sicher, dass du in die Hölle gekommen bist, dort voll auf deine Kosten kommst und mir schon mal den Platz direkt neben dir reserviert hast. Ich hoffe, es gibt da oben genug Chivas Regal und du stellst schon mal den Amaretto kalt!

Fühlt die Welt sich ohne dich so leer an, wie ich befürchtet hatte? Noch nicht. Ich vermisse dich, nicht erst seit heute, sondern schon seit dem Tag, als ich mit dir sprechen wollte und du nicht mehr erreichbar warst. Ich vermisse deinen wunderbar schwarzen Humor, vermisse es, wie du dich mit mir gegen den Rest der Welt verbündet hast und mir immer das Gefühl geben könntest, dass alle anderen sowieso nicht zählen, vermisse die witzigen Spitznamen, mit denen du die meisten Menschen bedacht hast, vermisse deine klugen und immer wohldurchdachten Kommentare zu jedem erdenklichen Thema, deine einfühlsame Art und deine guten Ratschläge.

Manche Menschen wissen nicht,
wie wichtig es ist, dass sie da sind,
wie gut es ist, sie zu sehen,
wie tröstlich ihr Lachen wirkt,
wie wohltuend ihre Nähe ist,
wieviel ärmer wir ohne sie wären
und
dass sie ein Geschenk des Himmels sind!

Ich bin dankbar, dass ich auf fast genau elf wunderbare Jahre mit dir zurückblicken kann, in denen wir so viele gemeinsame Erinnerungen geschaffen haben, dass ich ein Leben lang davon zehren kann, auch wenn es nicht wirklich elf Jahre waren, weil wir zwischendurch immer mal wieder Funkstille hatten... Aber du bist derjenige, den ich sogar in Zeiten, in denen ich nicht wusste, ob ich je wieder von ihm hören würde, meinen besten Freund genannt hab... Und als ich den Glauben an diese Freundschaft mal verloren hatte, da konnte dich trotzdem niemand ersetzen... Ich hatte Freunde, aber einfach niemanden, den ich als "den besten Freund" bezeichnet habe... Es gab einfach keinen zu der Zeit. Und egal, wie oft irgendwer, manchmal auch wir selbst, versucht hat, uns zu trennen... Wir haben immer wieder zusammen gefunden, weil wir einfach zusammen gehören. Du bist mein Seelenverwandter und nun fehlt ein Teil.

Aber fehlst du wirklich? Nein. Du bist immer noch hier bei mir. Ich weiß so oft, was du sagen und wann du lachen würdest, und die Erinnerung an dich werde ich mit Sicherheit nie verlieren, auch wenn ich Angst habe, den Klang deiner Stimme eines Tages zu vergessen.

Wäre ich nicht weggezogen, hätten wir uns noch öfter sehen können. Wir hätten uns wahrscheinlich früher wieder vertragen. Ich habe schon ein paar Monate nach unserem großen Bruch miteinander im Radio "Vom selben Stern" von Ich & Ich gehört und, obwohl das Lied sonst nie einen Bezug zu dir hatte, sofort an dich gedacht. In diesem Moment wollte ich dich einfach anrufen und alles vergessen, was zwischen uns stand. Aber ich hatte eine solche Angst, dass du mich abweisen würdest, dass ich es dann einfach nicht getan habe. Ein Jahr später schrieb ich dir einen Brief, um mich mit dir zu versöhnen, den ich mich nie getraut habe, abzusenden. Erst ein weiteres Jahr danach - fast drei Jahre nach dem großen Schnitt in unserer Freundschaft - konnte ich über meinen Schatten springen und siehe da: Alle meine Befürchtungen waren unbegründet. Es brauchte überhaupt gar keine Erklärungen oder Entschuldigungen, um wieder mit dir in Kontakt zu treten. Wir haben uns einfach gefreut, wieder miteinander sprechen zu können, brachten uns gegenseitig auf den neusten Stand und waren einfach Freunde - wieder oder vielmehr immer noch.

Es tut mir so Leid, dass wir nicht mehr Zeit miteinander verbringen konnten. Ich musste sogar eine Weile überlegen, wann wir uns das letzte Mal gesehen haben. Es war Ostern. Im Oktober wollte ich dich noch einmal besuchen, aber du hast kurzfristig abgesagt, weil es dir nicht gut ging. Wir wollten das Treffen verschieben. Es kam nicht mehr dazu.

Weißt du, was das Verrückteste ist? Nachdem ich beschlossen hatte, Weihnachten 2016 mit einem anderen Teil der Familie zu feiern als sonst und trotzdem unglücklich war über den ganzen Stress, habe ich überlegt, ob es nicht vielleicht am Coolsten wäre, einfach mit einem Freund zu feiern, dem es genauso ging. Einfach mit dir auf der Couch zu sitzen, Pizza zu essen, "Two and a half men" zu gucken, einfach glücklich und entspannt zu sein und sich einen Dreck um die restliche Welt zu scheren. Die Vorstellung war so verlockend, aber ich hatte meinen Verwandten schon zugesagt, also nahm ich mir fest vor, dich 2017 zu fragen. Eine Stimme in meinem Hinterkopf mahnte mich: "Wer sagt dir denn, dass er dann noch da ist?", aber ich habe sie beiseitegeschoben und als Quatsch abgetan. Ich hatte das Gefühl, es sei besser, 2016 zu dir zu fahren. Die Ironie daran ist, dass es keinen Unterschied gemacht hätte. Du hast Weihnachten 2016 nicht mehr erlebt. Es ist furchtbar.

Dennoch bin ich unendlich dankbar, dass ich die Zeit mit dir erleben durfte. Eine Freundschaft, wie wir sie hatten, erfahren andere in ihrem ganzen Leben nicht. Du warst in den schwärzesten Zeiten an meiner Seite und hast mir Wege aus der Dunkelheit gezeigt...

Freunde sind wie Lichter
auf einem langen, dunklen Weg.
Sie machen ihn nicht kürzer, aber heller!

In einer schwierigen Zeit, als du meintest, es sei das Beste, wenn du aus meinem Leben verschwinden würdest und ich mich heftig dagegen gewehrt habe, sagtest du mir: "Egal, was passiert, du wirst immer mein Freund bleiben." In dem Moment habe ich die ganze Tragweite dieser Worte nicht begriffen, aber ich habe später noch oft an sie zurückgedacht und daran, wieviel Wahrheit sie doch enthielten und dass mir das kaum ein anderer Mensch so hätte sagen können.

Death ends a life, not a relationship.

Du wirst immer mein bester Freund bleiben und ich vermisse dich schon jetzt unendlich.

Ich danke dir
Für diesen einen Augenblick
Ich danke dir
Für dieses kleine Stück vom Glück
Ich danke dir
Für den unsterblichen Moment
Den ich für immer bei mir trage
Auch wenn der Vorhang fällt

23.1.17 02:01, kommentieren